Posts mit dem Label Gedanken & Erfahrungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gedanken & Erfahrungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 11. Juni 2020

Updates, updates, updates...

Meine lieben alternativen Menschen,

nun sind die letzten Lebenszeichen auch schon wieder, naja, sagen wir mal "ein wenig länger" her und ich möchte euch ein kleines Update da lassen.
Das Studium ist endlich geschafft und nun hat mich der Arbeitsalltag auch schon (wieder) voll und ganz im Griff. Aber keine Angst: geplant ist nun trotzdem wieder mehr Zeit in meinen kleinen feinen Blog zu investieren. Studium und Arbeit war schon eine Herausforderung, vor allem in der Abschlussphase. Aber nun, da ein Abschnitt abgeschlossen ist, habe ich erheblich viel mehr Freizeit und vor allem auch viel mehr Kopf mich von neuem und intensiver um mein persönliches Kleinod zu kümmern. Denn: wenn ich eines in der langen Abstinenzphase definitiv gemerkt habe, dann, dass mir das Bloggen fehlt, und zwar gewaltig.

Die Blogger unter euch werden verstehen, was ich meine. Internetaffin, wie die Allermeisten unter uns vermutlich sind, habe ich beinahe täglich Dinge entdeckt, zu denen ich mich gern direkt geäußert hätte, oder auch allgemein tolle Inspirationen für verschiedenste Posts bekommen. Und auch im Alltag habe ich eine Menge Dinge erlebt, die ich gern geteilt hätte. Klar, vielleicht hätte sich hier und da Zeit gefunden, einen oberflächlichen Post zu erstellen, aber das ist nicht mein Ziel. 
Außerdem habe ich noch etwas anderes geplant, zu dem mir bisher definitv die Zeit fehlte: mein Blog soll umziehen. Ja, richtig gehört: umziehen. Und auch nun wieder: Blogger unter euch wissen, was das bedeutet: eine Meeeeeeenge Arbeit.

Und diese Arbeit nehme ich nun nach und nach in Angriff. Die neue Domain ist bereits bestellt (verraten wird sie noch nicht - aber eine große Überraschung ist es auch nicht, da nicht sehr abwegig ;) ), die Planungen laufen, die Vorfreude meinerseits steigt beinahe ins Unermessliche, mich endlich wieder kreativ ausleben zu können.

Sobald es weitere Neuigkeiten gibt, werde ich euch natürlich darüber in Kenntniss setzen, vorläufig noch an diesem Ort.

Bis dahin, meine Lieben!

Eure

Mittwoch, 27. Juni 2018

Wird die Schwarze Szene von Hipstern unterwandert?

Heute gibt es für euch mal wieder etwas von meinem Gastautor und Liebsten zu lesen: Victor von Void über die mögliche Szeneunterwanderung. Viel Lesevergnügen!

Wir waren vergangenen Freitag bei einem kleinen, feinen Konzert der Bands Qual und Smittness. Zu den Bands will ich hier nicht viel sagen, außer, dass erstere eine Mischung aus Oldschool-EBM, Industrial und einer Prise Aggrotech spielten, letztere hingegen eine Art Cold-Wave-Pop, wie eine etwas verträumtere Version von Hante. oder Keluar. 

Gegenstand dieses Posts sollen jedoch weniger die Bands (oder das Konzert als solches), sondern vielmehr das Publikum (schätzungsweise etwa dreißig bis fünfzig Leute) sein: es bestand mindestens zur Hälfte aus dem, was ich vom Aussehen her als Hipster beschreiben würde, ein Teil von ihnen war wohl in seiner Funktion als Freunde der Musikerin von Smittness dort. 

Mir drängte sich ein Gedanke auf, der dann sowohl von Mina als auch von anderen Besuchern im Gespräch mir gegenüber geäußert wurde: 

"Die Schwarze Szene wird von Hipstern unterwandert!"

Innerlich sprang dabei natürlich sofort der alte Abwehrreflex an, der Fremden das Eindringen in die eigene Gruppe verwehren will, und der gerade in der Schwarzen Szene verbreitet ist und sich gegen alles und jeden richtet, der als Bedrohung der eigenen Gruftigkeit und Trueness wahrgenommen wird. Seien wir ehrlich: die meisten von uns halten Hipster für das Böse unter der Sonne, eine Perversion von allem, was uns heilig ist, Trendhuren, ein Krebsgeschwür, dass sich einfach an den Codes unserer Szene (die Farbe Schwarz, bestimmte Frisuren, Tattoos etc.), unserer Musik und unserem Individualismus bedient, ohne uns dabei den nötigen Respekt zu zollen. Kurz gesagt: Hipster sind der Feind. 

Nachdem mein innerer Bluthund aufgehört hatte, wild geifernd um sich zu beißen, stellte ich mir dann doch noch die Frage, woher dieser Eindruck kommt und ob er überhaupt stimmt: 

Werden wir wirklich unterwandert? 

Definieren wir doch erst einmal den Begriff der Unterwanderung als das Eindringen in eine Gruppe oder Szene mit dem Ziel der Veränderung oder Zersetzung derselben.

Den oder die Hipster (bzw die Hipster-Szene) will ich hier nicht umfassend definieren (das wurde bereits anderswo getan und ist auch mangels sozialwissenschaftlicher Kompetenz meinerseits nicht ohne weiteres wirklich umfassend und korrekt möglich), sondern nur die Beobachtungen schildern, die mich dazu brachten, die Besucher als solche einzustufen: mehrheitlich weiblich, Birkenstocks oder weiße Sneaker (oder zumindest Sneaker mit weißen Sohlen), Frisuren bei denen Pony und Mini-Dutt eine entscheidende Rolle spielen (alternativ: irgendwie bunt gefärbter Undercut), Leggings oder Karottenjeans, Pullover und Cardigans, die möglichst weit sind und mit geometrischen Mustern und/oder Farben aus dem Spektrum der Signalfarben spielen, kurz: Klamotten, die man so aus den frühen 90ern kennt. Wobei auffiel, dass die Trägerinnen vermutlich nicht alt genug waren, die frühen 90er selbst bewußt miterlebt zu haben, denn wer die frühen 90er selbst erlebt hat, würde sich wohl eher selbst einen Fuß abkauen, als die 90er noch einmal als modisches Vorbild zu verwerten. Die Musikerin von Smittness passte übrigens optisch auch dazu.

Wie kommen nun also all die Hipster auf ein Konzert, das sonst vermutlich eher die Schwarze Szene anspricht? Hier dürfte die oben angesprochene Cold-Wave-Pop-Musik von Smittness eine Rolle spielen, sowie der Fakt, dass Qual ein Nebenprojekt von William Maybelline ist, der sonst bei Lebanon Hanover für die Musik zuständig ist, welche ebenfalls Post Punk und Cold Wave als Hauptbetätigungsfeld haben.

Post Punk und Cold Wave standen historisch gesehen am Anfang der Schwarzen Szene und waren einer der Haupteinflüsse bei deren Entstehung, verschwanden aber im Lauf der späten 80er und dann der 90er Jahre größtenteils in der Versenkung. Das Revival dieser Genres in den letzten Jahren wurde meiner Meinung nach aber unter Anderem auch von der Hipster-Szene ausgelöst, die bei ihrer Suche nach Dingen, die man "ironisch" feiern konnte, neben Schreibmaschinen, Bärten und Holzfällerhemden (ein Relikt der Grunge-Szene der frühen 90er) auch Bands wie Joy Division (wohl wegen ihrer ikonischen Plattencover, die auch auf T-Shirts und Jutebeuteln gut aussehen) aus der (Szene-)Versenkung zurück in den Mainstream hob, und in der Folge damit auch wieder verstärktes Interesse in der Schwarzen Szene selbst hervorrief, so dass eine Menge junger, neuer Bands diese alten Einflüsse aufgriffen und neu verarbeiteten. Und das mit beachtlichem Erfolg.

Wir verdanken also im Grunde auch den Hipstern aktuelle Lieblinge der Schwarzen Szene wie Lebanon Hanover, Selofan, Soft Kill, Ash Code oder Keluar.

Ist das also nun eine "Unterwanderung"? Im Sinne der oben genannten Definition wohl eher nicht, denn in der Vergangenheit wurden schon andere Einflüsse (z.B. Mittelalter, Steampunk, Metal) in die Szene assimiliert, ohne diese nennenswert zu (zer-)stören.

Ein Merkmal (nicht nur) der Hipster-Szene ist starke Abhängigkeit von Trends, die meiner Meinung nach stärker als in der Schwarzen Szene ausgeprägt ist. Zudem sind die vielen Auswüchse der Hipster-Szene schon längst wieder vom Mainstream assimiliert worden, anders als die meisten Merkmale der Schwarzen Szene. Aus meiner Sicht haben wir daher derzeit zwar eine musikalische Überschneidung, die sich aber langfristig wieder auflösen wird, sobald die Hipster-Szene sich anderen, neuen Trends zuwendet.

Ob das abgesehen von einer etwas breiteren Musikauswahl Spuren in der Schwarzen Szene hinterlassen wird, bezweifle ich aber: Ich kann mir einfach keine Grufties in weißen Sneakern und Holzfällerhemd vorstellen.

Sonntag, 27. Mai 2018

Was ist denn da los? Es gibt Neuigkeiten...

Meine lieben alternativen Menschen!

Der Eine oder Andere unter euch hat sich sicherlich schon gefragt, was denn hier so los ist und warum ihr so wenig von mir hört: Das WGT kam und ging, kein Lebenszeichen. Der World Goth Day vor ein paar Tagen? Ebenfalls nichts.

Das ist tatsächlich relativ einfach zu erklären: Victor und mir steht der Kopf momentan ganz woanders: Vor ein paar Monaten haben wir uns dazu entschlossen, dass es mal an der Zeit wäre, zu heiraten. Ungefähr genau mit diesem Wortlaut. Ich weiß nicht, ob allen von meinen Lesern bisher bewusst war, dass wir ein Paar sind (ich glaube tatsächlich nicht), spätestens jetzt ist es offiziell.


Und wie ihr euch bestimmt schon vorstellen könnt, sind wir ein bisschen im Planungsstress, weil alles sehr schnell gehen muss. Die Hochzeit soll nämlich noch in diesem Sommer stattfinden. Nun heißt es: Den üblichen Organisationskram klären! Diejenigen unter euch, die das selbst schon hinter sich haben, wissen, wovon ich rede. Aber natürlich nicht nur das: Es muss auch eine Hochzeit organisiert werden, die zu uns passt, was heißt: Es wird halt nicht 08/15. Eine schwarze Hochzeit mit ein bisschen Vintage-Flair, so soll das Ganze aussehen...

Ich, als bekennende Perfektionistin bin daher schon fleißig am Planen, Basteln und Aussuchen, was ich zum Teil gern mit euch teilen möchte. Ja, ich trete Hochzeitskram im Internet breit. Weil es hier eben auch um Szenedinge, wie Gestaltung oder auch Playlist der Feier gehen wird. Wen es stört: Klick weg. Alle anderen: Ich werde euch also in den nächsten Wochen auf dem Laufenden halten!

Bis dahin:
Cheerio and stay different!

Eure



Mittwoch, 8. November 2017

Kleine geile Nonne? Wenn Kapitalismus sich die Goth-Subkultur einverleibt - und alle machen mit!

Meine lieben alternativen Menschen!

Ich weiß, ich weiß... manchmal bin ich ein kleiner schwarzer Negativ-Schlumpf. Und ich warne euch vor, dieser Post wird kein Lobgesang auf die Schwarze Subkultur, wohl eher ein Klagelied. Aber was raus muss, muss nunmal raus. Und Goth sei Dank leben wir im Blogzeitalter. Also: auf geht's.

Vor gar nicht allzu langer Zeit bin ich aus meiner Heimat im Norden NRWs ins Rhein-Main-Gebiet, genauer gesagt nach Südhessen, gezogen. Was das bedeutet? Allerlei Veränderungen selbstverständlich. Bezogen auf das subkulturelle Leben bedeutet es beispielsweise, dass man sich neue Veranstaltungen und Möglichkeiten suchen muss, um seine - ich nenne es jetzt mal "Szenezugehörigkeit" - zu zelebrieren. Sprich: ich musste mich mal über das subkulturelle Angebot der Umgebung schlau machen. 

Am allerbesten geht dies natürlich mit Hilfe von lieben Mitmenschen, die die eigenen Vorlieben kennen, bestenfalls teilen und Veranstaltungen empfehlen können. Aber ist man wie ich ein eher introvertierter Mensch, gestaltet sich dies häufig nicht so einfach mit den lieben Mitmenschen aus der Umgebung, die man ja auch erstmal kennen lernen muss. Also checkte ich ausgiebig das WWW. Und ja, leider bietet Facebook, als mein Soziales-Hass-Liebe-Netzwerk, hier die einfachsten Möglichkeiten: schnell mal nach "Schwarzen Gruppen" in der neue Heimat gesucht, findet man hier auch ganz schnell Ausgeh- und Veranstaltungstipps, die man der Reihe nach mal abchecken sollte. Mein Fazit: was man da teilweise sehen muss, grenzt an Körperverletzung. Aber mal auf Anfang.

Natürlich geben häufig Flyer und Internetseiten der jeweiligen Veranstaltungen schon einmal einen ersten Eindruck, was den freudigen Besucher dort erwarten wird. Sehe ich leicht bekleidete Mädels, die in ihren neonfarbenen Cypergoth-Outfits ihre Plastik-Spielzeugpistolen in das Objektiv halten, weiß ich beispielsweise: nicht meine Veranstaltung. Ähnliches gilt übrigens auch für Ladies in Lackcatsuits, die statt der Plastik-Spielzeugpistole lieber Plastik-Körperteile gen Linse drücken. Abgesehen vom offensichtlichen visuellen Anreiz steht aber auch oft schon dabei, was musikalisch zu erwarten ist.
Versteht mich nicht falsch - alles hat irgendwo seine Berechtigung - aber vielleicht nicht alles unter dem Deckmantel der Goth-Subkultur. Wo hört sie auf, was gehört dazu, was nicht? Eine andere Diskussion, bei der vermutlich jeder eine andere Position einnimmt. Allein schon die unsagbar vielen musikalischen Mischformen machen es sicherlich schwierig, hier irgendetwas zu "entscheiden", und prinzipiell bin ich ja auch eher gegen eine "Du kommst hier nicht rein"-Mentalität, aber manche Sachen... wie gesagt, eine andere Diskussion. Dieses Faß möchte ich jetzt auch nicht auf machen, da ein Blog unter anderem über eine Kombination aus Goth- und Vintagestyle sicherlich auch dem ein oder anderen aufstößt. Aber gut. Hier geht es um meine Meinung zu dem Ganzen und ich weiß, dass ich mich auf einer Veranstaltung, auf welcher größtenteils Aggrotech oder Cyberkram gespielt wird, als Schwarzmenschin, die doch größtenteils gitarrenlastigere akustische Bespaßung oder waveigere Klänge vorzieht, nicht wohlfühlen werde.

Nun gibt es aber auch sog. "gemischte Veranstaltungen". Da geht man dann doch mal hin, man muss sich ja selbst mal ein Bild machen. Aber ganz ehrlich - und jetzt kommen wir zu dem, was mich zu diesem Post inspiriert hat - wenn ich manch einen Trailer von Veranstaltungen so sehe, möchte ich nicht einmal das:


Das ist der Trailer/Review-Film einer der größten schwarzen Veranstaltungen im Rhein-Neckar-Gebiet. Alles weitere könnt ihr dem Video oder Google entnehmen. Als Kleinstadt-Teen-Bat habe ich mir, als man noch nicht zu allem einfach ein YouTube-Video geschaut hat, in entsprechenden Zeitschriften den eine ganze Seite umfassenden Werbebanner dieser Veranstaltung angesehen und gedacht: man, da wäre ich gern mal. Da hatte ich noch keine Ahnung... :D Ich möchte jetzt auch gar nicht auf dem Club herumhacken (naja, vielleicht doch ein wenig), aber geht es nur mir so, oder fragt ihr euch auch, was das sein soll? Soll das die Goth-Subkultur sein? "Kleine geile Nonne - Warum bist du nackt?" (wie ich jetzt gelernt habe, ein Song der Formation Unzucht)? Dazu Menschen die abgehen, als seien sie auf Speed irgendwo in einem Technoschuppen? Und damit wird für eine schwarze Veranstaltung geworben? Sorry, aber ich finde es kaum zu entschuldigen (es sein denn, man ist 16 Jahre alt und eine BabyBat, die keine Ahnung von der tatsächlichen Subkultur hat, oder alternativ: man hat den IQ eines Wurstbrotes). Hier frage ich mich allerdings eher, welch (geistiges) Niveau diese Veranstaltung noch hat. Mir kommt es absolut albern vor (ist ja auch nicht so, dass Bands wie Agonoize dieses "Ich schockiere jetzt, indem ich mit vulgären Ausdrücken um mich werfe" vor 15 Jahren schon durch hatten - na gut, die machen's auch noch heute).
Vor ein paar Jahren war ich tatsächlich mal dort und habe es gar nicht als so dramatisch empfunden. OK, die Mainhall habe ich gemieden, weil zu erwarten war, dass dort doch eher der "Schwarze Mainstream" bedient wird. In der ein oder anderen kleinen schwarzen Ecke war die Musik auch dann gar nicht so verkehrt und die Leute ganz sympathisch. Vor ein paar Monaten habe ich dann die Lokation noch einmal aufgesucht, und war ziemlich entsetzt. Ein Minifloor (wirklich MINI - gefühlt 5 Quadratmeter groß), auf dem noch ein paar Schätze zu finden waren, der Rest war Party-Schwarze "Schlagermusik", wie im obigen Video zu sehen. Ballermann lässt Grüßen.
Natürlich hat die Gothic Subkultur auch seit jeher mit dem Brechen von Konventionen gespielt, um Abgrenzung zu erreichen. Sowohl Sexualität als auch Tod, Kritik an der Gesellschaft und religiösen Institutionen waren schon immer Thema. Klar -  aber plumper geht es bald nicht. Wo ist die Feinsinnigkeit hin? Die - ja ich möchte schon sagen "schwarze Aristokratie"?  Wo ist die anspruchsvolle Lyrik? Die düsteren berührenden Zeilen der Gesellschaftskritik, die mich einst so an dieser Szene fasziniert haben, dass ich irgendwann in ihren Bann gezogen wurde? Ich weiß, es gibt sie noch, vereinzelte Kleinode. Nur leider kaum noch bei "Szene"-Veranstaltungen zu bewundern. Ich weiß auch, dass es diese "plumpe" Form der "Schwarzen Unterhaltung" auch schon ewig gibt. Mir scheint es allerdings immer extremer, als ob die Schwarze Szene sich im Ausverkauf befindet: "Seht her! Hier ist sie, die Gothic-Subkultur! Offen für jedermann, der mal ein bisschen aus seinem Alltag ausbrechen möchte - hallo, Karneval, Schützenfest und Co! Kleine geile Nonne - zeig doch mal die Möpse" - No difference. Logische Konsequenz unserer kapitalistischen Gesellschaft? Vermutlich. In Zeiten des Clubsterbens zählt wohl vielen Veranstaltern nur noch die Einnahme. Und mit "Kleine geile Nonne" spricht man offensichtlich erschreckenderweise ein ziemlich breites "schwarzes" Publikum an.

Abschließend sei noch gesagt, dass es glücklicherweise die kleinen besonderen Veranstaltungen jenseits der dem Kapitalismus huldigenden schwarzen Mainstream-Großveranstaltungen noch gibt. Man muss sie nur finden. So war ich beispielsweise seeeeehr froh, die Mainzer Horror Highschool besucht und somit für mich entdeckt zu haben. Auch die noch ganz frische "Corona Negra" Veranstaltung in Darmstadt hat mir musikalisch sehr gut gefallen, allerdings wurden die ganzen arg betrunkenen bunten Stino-Studenten irgendwann doch sehr lästig. Als hätten sie noch nie eine Frau in Korsage aus der Nähe gesehen (was sie vermutlich auch nicht haben) - aber das ist eine andere Geschichte.

Und wer meinem Gedankensermon bis hierher gefolgt ist, möge mir doch bitte noch ein paar nette undergroundige Veranstaltungstipps in der Umgebung dalassen - ich denke aus meinem Post ist ersichtlich geworden, in welche Richtung es gehen sollte.

Me - Toilet Cam - @Horror Highschool

Meine lieben Mitschwarzmenschen, das soll es nun für heute gewesen sein.
Cheerio and stay different! Bis Bald!

Eure


Mittwoch, 23. August 2017

On the other side, I'll see you again - R.I.P. Felix Flaucher

Meine lieben alternativen Menschen.

Traurige Nachrichten erreichen mich heute morgen über den Social Media Feed: Der Mastermind von Silke Bischoff, später 18 Summers - Felix Flaucher - ist nun an den Folgen einer Erkrankung verstorben, wie 18 Summers auf ihrer offiziellen Facebook Seite heute verkündeten.

Ich muss zugeben, ich war schockiert. Vor allem Silke Bischoff haben mein 15-jähriges Ich mit ihrer Musik doch sehr geprägt. Sie waren die erste Dark Wave Band, die Einzug in mein zunächst Kassetten- und später CD-Regal hielten. Songs wie "I don't love you anymore", "Under your Skin", "On the other Side" oder auch diverse Unplugged-Versionen ihrer Werke liefen in meinem Jugendzimmer rauf und runter. 

R.I.P Felix. Und danke dafür, dass du mir einen ganzen Musikstil gezeigt hast. On the other side, I'll see you again.

Silke Bischoff - Small and Tired (unplugged)


Montag, 24. Juli 2017

Lebenszeichen...

Meine lieben alternativen Menschen!

Hallo? Ist da irgendjemand? Ja, allerdings - ich lebe noch. Nachdem der vergangene Post von Victor euch über unsere persönlichen WGT-Erfahrungen informiert hat, wird bald eine kleine Outfit-Review meinerseits folgen - wie versprochen! Oberflächlicher Mädelskram also :D

Und wieder einmal muss ich meine eher gering ausgeprägte Aktivität hier auf meinen vollen Terminplan schieben. Aber - wie die meisten von euch wissen - ich studiere neben dem Bloggen ;) Nun beginnt mal wieder die vorlesungsfreie Zeit, die natürlich geprägt ist von schriftlichen Arbeiten, aber ich bin ganz zuversichtlich, dass ich es auch nebenbei schaffe, diesen mir doch mittlerweile ein wenig am Herzen liegenden Blog ein wenig zu füttern - und vielleicht hält Victor ja auch noch das ein oder andere Schmankerl für euch bereit?

Lassen wir uns doch alle mal ein wenig überraschen. An Ideen mangelt es mir jedenfalls nicht, hoffentlich finde ich die Zeit und auch die Muße, sie umzusetzen. Denn jeder von euch, der selbst schreibt, kennt das sicherlich: mal läuft's, mal eben nicht.

Also: bis dahin, ihr Lieben!
Cheerio and stay different!

Eure 




Donnerstag, 8. Juni 2017

Post Mortem: Wave-Gotik-Treffen 2017

Das Wave-Gotik-Treffen 2017 ist vorbei, und natürlich waren auch Mina und ich wieder dabei, nachdem wir im letzten Jahr aus verschiedenen Gründen aussetzen mussten. Der Post-WGT-Blues hat uns zwar noch im Griff, aber das Gedächtnis wird nicht besser, daher ist jetzt also ein guter Zeitpunkt, einen kleinen Rückblick anzustellen, solange die Erinnerungen noch frisch sind.

Anreise

Die Anreise ist zwar lang, aber dank hervorragender Beschilderung auf den Autobahnen können wir Staus umfahren, und auch innerstädtisch hat sich Leipzig in diesem Jahr mit Baustellen und Sperrungen zurückgehalten, so dass wir pünktlich bei unserer gemieteten Ferienwohnung ankommen. Für mich ist immer schon die Ankunft in Leipzig ein Höhepunkt, denn spätestens wenn ich die Löwenskulptur an der B2 am Stadtrand oder auch die vielen erst teilweise sanierten Altbauten sehe, stellen sich bei mir so richtig WGT-Feeling und Freude auf die kommenden Tage ein.

Die wichtigsten Programmpunkte am Ankunftstag sind neben der Wohnung natürlich die Verpflegung und das Festival-Bändchen. Letzteres können wir uns an der Ausgabe beim Bahnhof abholen, wo wir dieses Mal erfreulicherweise nur eine kurze Schlange vorfinden, weil die Ausgabe schon seit mehr als zwei Stunden geöffnet und so der erste Ansturm schon abgearbeitet ist. Nach den nötigsten Besorgungen im Supermarkt lassen wir den Abend dann ruhig in unserer Ferienwohnung ausklingen. Natürlich könnten wir auch noch eine der Eröffnungsparties besuchen, aber in meinem fortgeschrittenen Alter *hust* war der Tag schon anstrengend genug, so dass wir uns dagegen entscheiden.

Tag 1: Freitag

Freitag ist VicPick-Tag. Natürlich sind auch wir wieder zum mittlerweile viel gescholtenen Victorianischen Picknick im Clara-Zettkin-Park gewandert, und natürlich ist es wieder genau so, wie wir es erwartet hatten, und noch viel schlimmer. Ich gebe zu, ich schaue es mir trotzdem sehr gern an, außerdem wollen wir Freunde treffen. Uns ist klar, dass es wieder unglaublich voll sein wird, dass es unglaublich viele Leute geben wird, die nur dorthin gehen, um sich fotografieren zu lassen, und dass das Ganze mehr einem Karneval als einem Picknick ähneln wird. Für mich hat das Picknick mittlerweile ohnehin nur noch wenig mit der Szene zu tun, ich betrachte es mehr wie einen Jahrmarkt oder Theater mit Zuschauerbeteiligung. Was für mich aber in diesem Jahr den Vogel abschießt, sind die Tische und Kleiderständer, die von einigen Besuchern aufgebaut werden, um Schmuck, Deko oder wahlweise abgelegte Kleidung zu verkaufen. In der Folge sind die ohnehin schon überfüllten Wege natürlich noch verstopfter, so dass ein Vorankommen kaum noch möglich ist. Wir finden trotzdem erst unsere Freunde und dann etwas abseits auch noch ein recht ruhiges Plätzchen, an dem wir uns relativ ruhig und ungestört hinsetzen und unterhalten können. Allerdings muss ich gestehen, dass ich nach dieser Erfahrung überlege, ob wir wirklich nächstes Mal wieder das Picknick besuchen sollten oder lieber eine der vielen anderen Rahmen-Veranstaltungen. Vielleicht gehen wir auch einfach mit einem Picknick-Korb in einen anderen Park...

Mina und ich beim Victorianischen Picknick

Freitag sollte aber auch unser erster Tag mit Konzerten werden. Natürlich haben wir uns schon zuhause einen Plan gemacht, welche Bands interessant erscheinen, und uns insbesonders auch Bands heraus gesucht, die wir noch nicht kennen oder zumindest noch nicht live gesehen haben. Aber bekanntlich überlebt kein Plan den Kontakt mit der Realität, und so landen wir nach einem kurzen Zwischenstopp zuhause (also in der Ferienwohnung) wieder bei Aeon Sable und Whispers in the Shadows im Felsenkeller, obwohl wir beide Bands erst im letzten November live gesehen hatten. Natürlich sind sie wieder einmal großartig, und besonders Aeon Sable rocken das Haus derartig, dass das wohl als eins ihrer besten Konzerte gelten darf. Der Felsenkeller ist übrigens gar kein Keller, sondern ein recht hübscher Saal, und obwohl dies schon mein sechstes WGT (verteilt über sechzehn Jahre) ist, sehe ich ihn in diesem Jahr zum ersten Mal von innen.

Der Felsenkeller 

Das Wetter ist erwartungsgemäß sommerlich warm und die Temperaturen pendeln sich um die 29 Grad ein, also rechnen wir damit, dass es auch in den Locations entsprechend heiß wird. Allerdings ist die Belüftung im Felsenkeller quasi nicht vorhanden, lediglich zwischen den Konzerten werden die Notausgänge geöffnet, mit dem Erfolg, dass man bei gefühlt 40 Grad und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit buchstäblich im eigenen Saft brät. Warum die auf der Galerie vorhandenen Ventilatoren nicht laufen, um wenigstens für etwas bewegte Luft während der Konzerte zu sorgen, wird wohl ein Geheimnis der Veranstalter bleiben... 

Die Vleischerei schräg gegenüber

Zwischen den Konzerten besorgen wir uns schräg gegenüber in der Vleischerei (einem rustikalen vegetarischen Grill/Bistro) etwas zu essen. Für die Vegetarierer und Veganer unter unseren Lesern ist das definitiv ein Tipp, wenn ihr mal Leipzig besucht, denn die angebotenen Gerichte sind wirklich gut gemacht, lecker und reichlich für das Geld. 

Mina bei der Nahrungsaufnahme

Als Abschluß des Tages pilgern wir dann noch ins DarkFlower, Leipzigs wohl bekanntesten alternativen Club, wo an diesem Abend unter anderem bekannte Musiker und Szene-DJs wie Adrian Hates (Diary of Dreams) und Ronny Moorings (Clan of Xymox) auflegen.

Tag 2: Samstag

Der Samstag beginnt damit, dass wir wieder einmal viel zu spät los kommen. Wir müssen erst noch schnell ein paar Dinge besorgen, die wir in der Eile vergessen haben, also begeben wir uns in die Innenstadt, die zu diesem Zeitpunkt natürlich brechend voll ist, nicht nur mit WGT-Besuchern, sondern auch mit Leipzigern, Besuchern und natürlich Fotografen. Es ist warm (wenn auch nicht so warm, wie vorhergesagt, sondern nur etwa 26 Grad) und die Menschenmassen nerven, aber wir sind ja eh nur auf der Durchreise. 

Geplant ist, dass wir uns ins Täubchenthal begeben um dort die Scary Bitches und Bloody, Dead & Sexy zu sehen, alternativ erscheint uns das Stadtbad mit The Agnes Circle und später Lebanon Hanover attraktiv. Letztere haben wir zwar auch erst kürzlich gesehen, aber wer sagt, dass man eine Band nur einmal im Jahr sehen darf? 

Also auf in die Agra! Wait ... what? 

Ja, genau, da die Konzerte noch Stunden in der Zukunft liegen, entschließen wir uns, erst einmal die Agra zu besuchen, quasi als Bestätigung, dass wir auch wirklich, wirklich beim WGT sind. Und natürlich um die Leute zu begaffen und ein wenig einzukaufen, denn obwohl wir keine Fans des Kommerzes rund um die Szene sind, können wir uns dem doch auch nicht komplett verschließen. Die Fahrt in der Schwarzen Linie 31 von der Innenstadt zum Agra-Gelände dauert 45 Minuten, doch uns kommt es vor wie Stunden, auch weil wir einen Teil der Strecke stehen müssen und es in der Bahn unerträglich warm ist. Dafür sind die Ordner am Agra-Eingang wie immer freundlich (und das schreibe ich ganz ironiefrei), filzen meine Tasche mit den Besorgungen aus der Innenstadt nur ganz kurz, und schon sind wir auf dem Gelände. Hier ist natürlich wieder alles bunt und laut, aber so wollen wir es, sonst wäre es ja langweilig.

Straßenbahnfahren ist Tradition beim WGT

Wir stürzen uns in das Gewühle der Verkaufshalle ... und bleiben für die nächsten viereinhalb Stunden darin hängen. Es ist noch wärmer und noch lauter als draußen, und ich frage mich wiederholt, wie die Verkaufenden das den ganzen Tag aushalten, ohne irre zu werden. Trotzdem kämpfen wir uns tapfer weiter durch die Stände, probieren Klamotten an (naja, Mina probiert und ich gebe mehr oder weniger passende Kommentare ab), schauen uns Schmuck und Dekorationsobjekte an und sind wieder einmal überrascht, wieviel ... Kram ... man doch der Szene verkaufen kann.

Nachdem wir unsere Energie mit leckeren vegetarischen Gerichten vom Stand direkt vor der Messehalle aufgefrischt haben, begeben wir uns in die Konzerthalle, um VNV Nation zu sehen, die erst um 23 Uhr als Headliner spielen. Das Konzert halten wir aber nicht bis zum Ende durch. Zum Einen, weil es trotz der RIESIGEN Halle tierisch voll und warm ist. Zum Anderen, weil wir beide vertikal benachteiligt sind und einfach nichts von der Bühne sehen (wieso zum heiligen Batman gibt es eigentlich keine Videowand?), und nach einiger Zeit sind VNV Nation, obwohl wir sie eigentlich grundsätzlich mögen, irgendwie auch nur noch elektronischer Bumm-Bumm-Kram...

Die Agra-Hallen sind riesig: das kleine Schwarze in der Mitte ist Mina... 

Da wir noch nicht nach Hause wollen, gehen wir also in die Halle 4.2, den Diskosaal der Agra. Hier finden wir aber ebenfalls nur elektronischen Bumm-Bumm-Kram, und auch im Treffen-Café hält es uns nicht (die "Trash, Classix & strange sounds" sind uns dann irgendwie doch zu strange und trashig), und so machen wir uns schon kurz nach ein Uhr wieder auf den Heimweg.

Tag 3: Sonntag

Der Sonntag begrüßt uns mit Regen. Wunderbar, das motiviert uns ... nicht besonders. Aber glücklicherweise lässt der Regen gegen vierzehn Uhr nach, und die Sonne kommt heraus. Es ist kühler als die Tage zuvor, aber das ist nicht unangenehm. Auf dem Weg zur Straßenbahn entdecken einen winzigen Subway, an dessen Außenwand ein Gemälde prangt, das den Blick durch ein Fenster in einen Subway darstellt. Als wäre das nicht schon meta genug, scheinen alle Besucher des gemalten Subway in Schwarz gekleidet zu sein. Zufall? 

Subwaygemälde am Subway mit schwarz
gekleideten Subway-Gästen

Wir steigen in die Bahn und finden uns wenig später auf dem Agra-Gelände wieder. Moment, schon wieder Agra? Hatten wir nicht geplant, uns irgendetwas vom Rahmenprogramm anzuschauen? Oder die Bands, die im Volkspalast spielen, wie Lea Porcelain, Bleib Modern oder Whispering Sons? Jaaaa, aber She Past Away spielen in der Agra, und weil wir sie mögen und auch sonst etwas träge sind und später noch The 69 Eyes spielen sollen, die Minas Einstieg in die Szene Anfang der 2000er mit ihrem "Blessed Be"-Album begleitet haben und deshalb unbedingt gesehen werden wollen, nehmen wir wieder den Weg des geringsten Widerstandes. She Past Away haben wir zwar auch erst kürzlich gesehen, aber ... nunja, sie sind gut, und sie ein zweites Mal zu sehen schadet auch nicht. 

Zwischendurch suchen und finden wir das wohl beste italienische Restaurant Leipzigs, das Ristorante Pizzeria Natalina. Geführt von Italienern, inklusive einer trotz Stresses sehr netten und aufmerksamen italienischen Mama, und in kleinen, verwinkelten und sehr heimeligen Räumen beheimatet, ist das Ristorante an diesem Abend so voll, dass wir erst auf einen freien Platz warten müssen. Interessanterweise scheinen wir die einzigen WGT-Besucher hier zu sein, obwohl es nur zwei-, dreihundert Meter vom Connewitz Kreuz entfernt ist. Das Essen ist ausgezeichnet, und irgendwie schaffen wir es, sogar noch schneller als die anderen Gäste bedient zu werden. Aber vielleicht liegt das auch an unseren vergleichsweise einfachen Gerichten (Pizza, Salat und Gnocchi ... die besten, die ich bisher hatte), das Ristorante bietet daneben aber auch für den gehobenen Geschmack so einiges auf der Karte. 

Eiskaffee geht auch an kühlen Tagen

Zurück in der Agra schauen wir uns die 69 Eyes an. Naja, Mina schaut. Ich sitze an der Seite und versuche, meine verkrampften Rückenmuskeln zu lockern. Das Alter und die im Alltag mangelnde Bewegung sorgen wohl dafür, dass ich es nicht gewöhnt bin, über längere Zeit zu versuchen, zwischen den Köpfen und Schultern wesentlich größerer Menschen hindurch einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Hatte ich schon erwähnt, dass in meinen Augen das größte Versäumnis in der Agra die fehlende Videoleinwand ist?

Nach dem Konzert machen wir einen Rundgang durch die Verkaufshalle (jupp, schon wieder) und unterhalten uns eine Weile mit dem Inhaber des einzigen Vintage-Standes/Shops (Vintage13) in der Halle, um dann Halle 4.2 aufzusuchen, in der an diesem Abend unter anderem Honey von Welle:Erdball auflegen soll. Honey und die anderen DJs enttäuschen uns aber mit zu viel elektronischem Kram und nicht nachvollziehbaren Aneinanderreihungen verschiedenster, nicht zueinander passender Songs. Also ziehen wir uns zum Abschluß wieder ins Treffen-Café zurück, wo an diesem Abend eher klassische Songs aus den 80ern und 90ern zelebriert werden.   

Tag 4: Montag

Der Montag begrüßt uns mit ... ? Genau, Regen. Aber nur kurz, dann wird es trocken und nicht zu kalt, aber auch nicht zu warm. Wir sind spät auf und daher noch später erst aus dem Haus. Das macht jedoch nichts, denn wir begeben uns auf mehr oder weniger direktem Weg zum Treffen der Spontis-Familie im Park hinter der Moritzbastei. Als regelmäßige Leser und Kommentatoren wollen wir uns natürlich auch mal die Leute hinter den Artikeln und Kommentaren anschauen. Leider sind wir beide eher introvertiert, und auf eine größere Gruppe uns unbekannter Menschen zu treffen und eventuell auch noch mit ihnen zu reden, erfüllt uns erst einmal mit Angst und Schrecken, begleitet von leichter Übelkeit und kribbelnder Kopfhaut. Robert, Initator und treibende Kraft hinter dem Blog, ist glücklicherweise leicht zu erkennen, und nach der Vorstellung merken wir, dass er mindestens ebenso aufgeregt ist wie wir, und vermutlich trifft das auch auf viele der anderen Anwesenden zu.

Unglücklicherweise beginnt es bald erneut stark zu regnen, und als sich auch noch ein Gewitter und zunehmende Kälte bemerkbar machen, beschließen wir aus Sicherheitsgründen (im Gewitter unter Bäumen zu stehen, ist nicht empfehlenswert) und weil Mina durch den Regen und die Kälte noch mehr friert als üblich, weiter zu ziehen. Um dem Sturzbach von oben zu entgehen, machen wir kurz Halt in einem Café, wo wir in einem netten Gespräch mit einem Leipziger Pärchen auch anklingen lassen, dass Fetischpferde und Live-Rollenspieler nicht unbedingt Kernkompetenzen der Szene sind. Kleine Korrekturen des Außenbildes können nicht schaden...

Das sonstige Rahmenprogramm ist an diesem Montag eher dünn gesät, offenbar konzentriert man sich mehr auf die anderen Tage. Da uns auch viele der an diesem Tag noch spielenden Bands nicht so zusagen, machen wir uns noch ein letztes Mal auf den Weg ... genau, zur Agra. Getrieben von der Hoffnung, in der Messehalle vielleicht doch noch ein Schnäppchen zu machen (die aber, wenn überhaupt vorhanden, trotz des letzten Tages nur dünn gesät sind), für Mina (die schon halb erfroren ist) eine wärmende Jacke zu finden oder unverhofft auf bekannte Menschen zu treffen, treiben wir uns nun noch ein paar Stunden auf dem Gelände herum. Aber da man, wie es heißt, aufhören soll, wenn es am schönsten ist, beschließen wir bald, den Abend lieber in der Ferienwohnung bei einem Glas Wein ausklingen zu lassen, und beenden so quasi offiziell unser Wave-Gotik-Treffen 2017 auf der Couch statt bei einer der Abschlussparties.

Heimreise

Nachdem wir bei freundlichem Wetter (Verdammt! Warum nicht so am Montag? ) aus dem Bett finden und all unser Hab und Gut ins Auto verfrachten, beschließt Mina, dass wir noch kurz beim DarXity-Shop (ein Leipziger Gothic-Shop um die Ecke) vorbei schauen müssen, bevor wir uns endgültig verabschieden. Wir scheinen jedoch nicht die Einzigen mit dieser Idee zu sein, und so ist der Shop trotz der frühen Stunde gut gefüllt mit (vermutlich) anderen WGT-Besuchern. Erst eine Stunde später sitzen wir dann schließlich im Auto Richtung Heimat. 

So ganz ist die Reise dann aber doch noch nicht zu Ende, denn unsere knurrenden Mägen und die Neugier drängen uns, noch einen Abstecher von der Autobahn nach Weimar zu machen. Wir finden eine kleine, aber sehr hübsche Stadt vor, deren touristisches Potenzial sich nicht nur in schönen Gebäuden erschöpft. Eine gute Mahlzeit und ein Gewitter später sitzen wir dann aber trotzdem wieder im Fahrzeug, mit dem Vorsatz, vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt Weimar noch einmal zu besuchen und genauer in Augenschein zu nehmen. Die restliche Reise ist geprägt von wechselndem Regen und Sonnenschein.

Und auch wenn wir das WGT schon vermissen, ist es doch ein gutes Gefühl, wieder nach Hause zu kommen. 

Fazit

Alles in Allem war auch dieses Wave-Gotik-Treffen wieder sehr schön, auch wenn wir wieder einmal nur die wenigsten für uns interessanten Konzerte und nichts vom Rahmenprogramm des WGT mitbekommen haben. Das ist wohl unser größtes Manko: trotz der vielen Angebote schaffen wir es oft einfach nicht, sie auch wahr zu nehmen, teils aus Trägheit, teils aber auch, weil sich Konzerte und beispielsweise Lesungen oder Führungen oft zeitlich überschneiden und die Entfernungen zwischen den Locations die Terminkollisionen noch verschärfen. 

Was wir uns für das nächste Mal daher definitiv vornehmen: früher losgehen, mehr vom Rahmenprogramm mitnehmen, mehr Leute kennen lernen und uns bei allem Rummel, Karneval und sonstigen unangenehmen Begleiterscheinungen das Wave-Gotik-Treffen als eine Art Familientreffen nicht nehmen zu lassen.  

Samstag, 20. Mai 2017

American Horror Story Season 5 - Die Goth-Staffel?

Hallo, meine lieben alternativen Menschen!

Ich, als bekennender Cineast, kann natürlich auch von Serien nicht die Finger lassen - ja, ich oute mich hiermit auch als Serienjunkie! Viele mal mehr mal weniger aktuelle serielle und für den europäischen Markt aufbereitete Produktionen flimmerten wohl schon einmal über einen meiner Bildschirme. So natürlich auch American Horror Story, habe ich doch eine besondere Neigung für das Horror/SF/Fantasy-Genre.

Vielleicht kurz allgemein zur Serie: die nunmehr 6 Staffeln zählende US- amerikanische Horror-Fernsehproduktion zeichnet aus, dass jede Staffel ihren eigen Plot erzählt, dies allerdings z.T. mit den gleichen Schauspieler (ich sage nur: Kathy Bates! Wie ich diese Frau  spätestens seit Misery einfach nur liebe), die zumeist allerdings andere Rollen verkörpern - aber eben nur zumeist. Manchmal gibt es auch Charaktere, deren Geschichte staffelübergreifend erzählt wird. Ein sehr interessanter Ansatz, wie ich finde.



Und nun speziell zur 5. Staffel. Wie komme ich dazu, die 5. Staffel als Goth-Staffel zu titulieren (die eigentlich American Horror Story Hotel heißt)? Erstens: eine ganze Menge Songs des Soundtracks kommen von Szenegrößen: Bauhaus, The Cure, The Sisters of Mercy, Joy Division, Siouxsie and the Banshees, The Jesus and Mary Chain, Depeche Mode, New Order, Nick Cave and The Bad Seeds and so on (passt übrigens auch ganz gut zur allgemeinen 80ies Ästhetik). Zweitens: die Horror-Thematik, um die es sich hier dreht: Vampirismus (neben einer Menge Geistern,  die ebenfalls ihr Unwesen treiben). Wohl ein nicht aus der Szene wegzudenkendes Oberthema (ob man dies nun gutheißt, oder nicht),  und sei es nur, wegen seiner Ästhetik: weiße Haut, eine dunkle und zugleich anziehende Ausstrahlung, rote Lippen (ok, zugegeben, diese muss man bei Vampiren wohl eher dem aufgenommenen Blut zuschreiben), ausgefallener, oft aufreizender Stil... 
Aber ein ganz großes Manko gibt es für mich: Lady Gaga in der Hauptrolle als "Obervampirin". Lady Gaga!?! Echt jetzt? Da geben sich die Drehbuchautoren so viel Mühe, einen alternativen Serienplot zu erzeugen, bauen ne ganze Menge alternative Songs und Vampir-80ies-Attitüde ein und dann so ein Griff ins Klo bei der Besetzung der Hauptrolle. Jaja, ich weiß: aber Lady Gaga ist doch so alternativ! Nein. Ist sie nicht. Sorry, lieber Leser, wenn ich dir deine Illusion rauben muss: sie ist ein popkulturelles Kunstprodukt, das eine ziemliche Menge Geld durch ihren Vermarktungsstrategien bekommt. Das, was sie "schockierendes" macht, ist absolut angepasst an den Mainstream und hat Madonna schon vor 30 Jahren bekannt und reich gemacht (mal wieder ein Beleg für die Popkultur als Wiederkehr des Immergleichen). Und Kathy Bates in einer popeligen Nebenrolle... Ich kann gar nicht so laut die Augen verdrehen, wie ich es gern tun würde. Klar: Lady Gaga ist während der halben Staffel ziemlich leicht bis gar nicht bekleidet unterwegs, womit man vermutlich die sexuelle Anziehungskraft, die Vampiren des öfteren nachgesagt wird, unterstreichen wollte und das hätten vermutlich auch die meisten Schauspieler nicht einfach so gemacht. Aber das macht das Ganze für mich doch eher billig, als dass eine ernsthaft anziehende Aura um die Figur entstanden wäre. Und übrigens: schauspielerisches Talent hab ich auch nicht gesehen. Aber vielleicht war ich auch ein wenig voreingenommen, nur ein winziges bisschen.

Aber gut. Ich habe die Staffel natürlich trotzdem bis zum Ende geschaut -  einmal angefangen, muss man es ja auch zu Ende bringen (sind wir nicht alle ein bisschen Sheldon?). War ganz nett. Vor allem der Soundtrack hat es mir natürlich versüßt. Wer es noch nicht getan hat, kann sich ja gern selbst mal ein Bild machen. Wer die Staffel schon gesehen hat, darf gern seine Meinung in den Kommentaren zum Ausdruck bringen.

Und noch was anderes: hey - keine 2 Wochen mehr bis zum WGT! Vielleicht sieht man sich ja!

Bis dahin:

Cheerio and stay different!



Montag, 27. März 2017

Muss ich eigentlich meine DocMartens die nächsten 2 Jahre einmotten?

Hallo, meine lieben alternativen Menschen!

Na? Post-Titel gelesen und sofort verstanden? "Muss ich eigentlich meine DocMartens die nächsten 2 Jahre einmotten?" Wie oft habe ich mich das die letzten Wochen und Monate schon gefragt.

Aber mal auf Anfang: wie den Füchsen unter euch sicherlich auch schon aufgefallen ist: DocMartens sind (mal wieder) im Mainstream angekommen. Waren es noch vor ein paar Monaten die Nike Airs, die die Mainstream- Instagramarellas in wagemutigen Posen die Beine in die Luft schwingend für die Kamera in Szene gesetzt haben, sind es jetzt - zu meinem großen Bedauern - DocMartens. Die Kulturindustrie hat es mal wieder geschafft, sich ein Randphänomen einzuverleiben und gewinnbringend zu vermarkten.

Als Anhänger gewisser Szenen gehören Docs einfach zum guten Ton. So findet man sie wohl am häufigsten an den Füßen diverser Punks, verziert mit der ein oder anderen Edding-Kritzelei und Anarchie-Symbolen. Alternativ schmücken sie aber natürlich auch die Beine verschiedenster Goth-Subgenre-Gänger, Metalheads oder Teddys...

Vor ein paar Jahren haben sie dann natürlich auch Einzug in meinen Kleiderschrank gehalten. Natürlich gleich die 20-Loch Variante - wozu kleckern, wenn man klotzen kann ;) Nein, eigentlich war ich nach etlichen Jahren Undercover-Boots einfach auf der Suche nach einem Paar Springerstiefeln, die nicht ganz so extrem klobig waren. Außerdem haben sie einen seitlichen Reißverschluss - klarer Vorteil! Jeder kennt das gefühlt Stunden dauernde Schnürritual vor dem Disko-Besuch.


Heute bin ich wirklich froh, dass ich mich schon damals für diese Variante entschieden habe, denn die scheinen dann für die Ladies doch ein wenig zu derbe zu sein, bevorzugen sie doch die Schnürschuh- oder maximal 14-Loch-Docs. Trotzdem habe ich mir ernsthaft darüber Gedanken gemacht, ob ich sie nicht einfach die nächsten 2 bis 3 Jahre einfach einmotten sollte. Und dann, wenn die Ladies einem neuen Trend hinterherjagen, wieder raus damit. Anziehen - und für out gehalten werden - yay! Fände ich 'ne gute Sache, prinzipiell übrigens. Ich fände es ganz nett, wenn der Goth-Hype in der Modeindustrie mal langsam wieder abflachen würde. Möchte nicht mehr länger für einen Fashion-Victim gehalten werden... Denn wie sagte Geraldine Stutz schon vor Jahrzehnten: "Fashion says 'Me too', style says 'Only me' ".

Btw - vor ein paar Jahren gab es das gleiche Phänomen im Bezug auf Palästinenser-Schals zu beobachten, erinnert ihr euch? Hat zum Glück auch nicht allzu lange angehalten. Denn eines ist die Modeindustrie mit großer Sicherheit: ziemlich schnelllebig.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Kraft und Ausdauer in dieser schweren Zeit.
Bis zum nächsten Mal!

Eure



Dienstag, 14. Februar 2017

Lebenszeichen...

Hallo, meine lieben alternativen Menschen!

Fast ein Monat ist nun vergangen, seit meinem letzten Lebenszeichen. Aber ja doch, ich bin noch hier. 
Der vergangene Monat hat mich zeitlich ziemlich in Beschlag genommen. Wer selbst einmal die Uni besuchen durfte und seine Zeit tatsächlich auch mit dem Inhalt des Studiums und nicht ausschließlich mit Kneipentouren und Netflix-binge-whatching verbracht hat, weiß, wie anstrengend vor allem der Januar, kurz vor Beginn der vorlesungsfreien Zeit (ich weigere mich hartnäckig, hier das Wort "Ferien" zu benutzen, denn diese Zeit ist alles andere als das) ist. So laufe ich durch die Uni, von Seminar zu Vorlesung, von Referat zu Essay, von Sprechstunde zu Bib-Ausleihe, von Filmsichtung zu Scheinstempel und denke mir dabei nur allzu oft: "What the f*** am I doing here?" Bis mir dann wieder einfällt: "Ach ja, das M.A. hinter dem Namen." Ich bin ja so akademisch... soon... maybe... hope so.

Nun ja. Ich habe es ja so gewollt. Aber: gestern hat nun offiziell die vorlesungsfreie Zeit begonnen, in der ich bestimmt ein wenig mehr Energie und Zeit habe, mal alles aufzuarbeiten, was nebenbei so liegen geblieben ist, wozu auch der ein oder andere halbfertige Blogeintrag gehört. Da wäre die Konzert-Review vom She Past Away Konzert, oder der Friedhofsbesuch des vergangenen Wochenendes...

So, my lovelies, see you soon.

Da fällt mir ein: Muss ich jetzt eigentlich abschließend noch ein paar Worte über den Valentinstag verlieren? So alá: heute müssen wir den Menschen danken, die wir gern in unserem Leben haben und ihnen Blumen schenken, die unter den bescheidensten Bedingungen gezüchtet und nach Deutschland verschifft worden sind, oder irgendwo in ein überteuertes Restaurant gehen, um Kanguru-Fleisch zu essen, Geld für Unsinn aus dem Fenster zu werfen und dem Kapitalismus weiter Nahrung zu bieten? Oder: ich danke euch für das Lesen meines Blogs, ich habe euch alle ja so lieb, auch wenn ich vermutlich 90% der Menschen, die über diesen Blog stolpern nicht kenne? Ich glaube nicht... (ich glaube, ich habe das mit dem bloggen nicht so ganz verstanden... but so what? I am what I am).

Bis dahin: cheerio and stay different!

Eure 



Samstag, 31. Dezember 2016

2016: der letzte Post - für dieses Jahr

Hallo, meine lieben alternativen Menschen!

Der letzte Post in diesem Jahr, schon ist 2016 wieder vorbei. Und 2017 kommt, ganz bestimmt. Dieses Jahr war für mich voller verschiedenster Ereignisse, die mir selbst erst so richtig bewusst werden, wenn ich darüber mal genauer nachdenke: ich habe meinen Uni-Abschluss gemacht und ein neues Studium angefangen, begonnen mit euch zu kommunizieren und meine Seele im Internet zu "verkaufen" ;) , eine kleine Freiberuflichkeit gestartet, viele kleine und große Erfahrungen gemacht, wichtige und unwichtige Entscheidungen getroffen. Wunderbare und weniger wunderbare Menschen sind in meine Leben getreten, andere sind gegangen, so ist es nunmal, so wird es immer sein.

Nun steht 2017 vor der Tür und ich bin sehr gespannt, was das Leben so für mich bereit hält. Wie ihr sicherlich bemerkt habt, war ich diesen Monat hier bisher nicht so aktiv, wie ich es normalerweise bin und gern sein würde (und das wird wohl auch so bleiben). Dies liegt natürlich zunächst an meinem Studium, aber auch daran, dass ich seit ungefähr zwei Wochen an einem neuen Projekt arbeite, welches ich hoffentlich 2017 realisieren können werde. Whatever - ich werde es euch wissen lassen, wenn es soweit ist. 
Vorsätze fürs neue Jahr? Ja, habe ich tatsächlich, wobei ich eigentlich eher weniger dazu neige. Der eine ist natürlich, mein Projekt zu verwirklichen, welches noch in der Planung steckt, der andere - Standard, vor allem nach den Weihnachtsfeiertagen - mehr Sport, bzw. überhaupt Sport treiben :D. Und der letzte, auf jeden (!) Fall wieder zum WGT nach Leipzig zu fahren, welches ich in diesem Jahr leider ausfallen lassen musste - aus Gründen. Aber das nur mal so am Rande.

Kommt gut ins neue Jahr, meine Lieben, wie auch immer ihr euren Abend gestaltet - gemütlich mit etwas Rotwein auf dem Sofa, mit Freunden, Lieblingsmenschen, der Familie an einem netten Ort oder in der Szenedisco die Nacht durchtanzend! Victor und ich werden wohl eingemummelt bis unter die Nasenspitze mit Tee und Wärmflasche auf meinem Sofa zu finden sein - Bronchitis sei Dank.

In diesem Sinne: cheerio and stay different!
Bis zum nächsten Jahr!

Eure



 



Donnerstag, 29. September 2016

Wenn "goth" nicht goth ist: eine Polemik über "goth"-Trends

Kürzlich bin ich wieder einmal über mehrere Artikel und Videos gestolpert, die irgendwie um Mode/Fashion und/oder Lifestyle in Verbindung mit dem goth- bzw. Gothic-Begriff kreisen. Dabei habe ich mich wieder einmal gefragt, warum der Begriff immer wieder für (Fashion- und Lifestyle-)Trends missbraucht wird, die nichts mit der "Gothic"-Subkultur und der schwarzen Szene zu tun haben.

Fangen wir doch gleich mit dem aktuellsten Beispiel an, diesem Werbeclip für ASOS:


Man nehme ein paar Klamotten in Schwarz oder Violett, mit Spitze oder aus Leder, und schon sind sie "goth". Wenn man das Ganze noch mit bunten Käfer- und Blumenstickereien und den Worten "punkig", "märchenhaft", "girlig" und "romantisch" kombiniert, einen "Star" (nach welch zweifelhaften Kriterien auch immer) als Inspiration zitiert und dazu noch das kränklich-feminine Make-Up auflegt, gilt (Zitat): "Gothic ist auf jeden Fall in!" ... auch wenn das zusammengestellte Outfit dann nicht einmal ansatzweise "gothic" ist und man dem Model ansieht, dass es vermutlich noch keinem Goth näher als 5 Meter gekommen ist. Aber Trend ist Trend, und man muß ja auf den Zug aufspringen. Im Zweifelsfall mit bunten Blumenstickereien.

Grundsätzlich ist natürlich nichts dagegen zu sagen, dass sich Designer von Subkulturen inspirieren lassen - einige von ihnen haben vermutlich ihrerseits auch die Szene inspiriert: Vivienne Westwood fiele mir da ein. Oder Gareth Pugh, Rick Owens, Ann Demeulemeester. Meines Wissens haben diese ihre Werke aber nie als "goth" oder "gothic" beworben. 

Natürlich haben solche Trends für die Szene den Vorteil, dass sich die Auswahl an tauglichen Klamotten schlagartig erhöht, wenn man denn bereit ist, seinen Individualismus aufzugeben und womöglich als Trend-Mitläufer angesehen zu werden, der seiner kleinen Schwester die Klamotten klaut. Und man muss dann natürlich auch außer Acht lassen, dass sich die Gothic-Subkultur ursprünglich auch als Gegenbewegung zu Trends und Kommerz sah und DIY zur Kunstform erhob.

In dieselbe Kerbe schlagen auch ältere Trends mit Bezeichnungen wie "gothninja" (googlet es), die außer dem Namen und der vorherrschenden Farbe nichts mit der Subkultur (und oft auch nichts mit deren Stil) zu tun haben. 

Ein anderes Beispiel: die Autorin und Filmemacherin Liisa Ladouceur, die regelmäßig über die Szene schreibt und davon lebt, hat kürzlich ein Video über die "... evolution of goth clothing, hair and make-up styles..." gemacht, das ich eigentlich nur als Satire verstehen kann:


Mal ganz abgesehen davon, dass Stile wie Cybergoth, Steampunk und Gothic Lolita teilweise zeitlich falsch eingeordnet sind (Lolita z.B. ist ein reiner Modetrend und seit den frühen 70ern in Japan bekannt, also vor dem Aufkommen der Gothic-Subkultur), ist auch ihre Zuordnung zur Subkultur eher zweifelhaft, da die dahinter stehenden Ideen (sofern es überhaupt welche gibt *hüstel*) völlig andere sind. Dass sie heute auch in der Schwarzen Szene anzutreffen sind, hat eher damit zu tun, dass die Veranstalter großer Events mehr Publikum anziehen wollten und einfach alles zusammen geworfen haben, das sich bei 3 nicht im tiefsten Graben versteckt hatte.

Ein weiteres Beispiel ist "healthgoth". Was das ist? Die grundlegende Idee scheint zu sein, Sport in schwarzen Klamotten zu treiben. Und sich dabei zu fotografieren oder darüber zu twittern. Natürlich spricht nichts dagegen, ein gesunder und fitter Grufti zu sein, besonders weil man dann leichter vor dummen Leuten und Fashion Victims davonlaufen kann. Aber was hat das mit der Subkultur zu tun? Nichts, es ist einfach nur ein Trend-Begriff, um mehr schwarze Sportklamotten verkaufen oder alternativ sich selbst besser vermarkten zu können. Und die überwiegende Mehrzahl der "#healthgoth"-Hashtagnutzer hält vermutlich Darth Vader für das Vorbild aller Grufties, schließlich ist der auch ganz blass und faselt ständig von der "dunklen Seite".... 

Nicht überall wo "goth" drauf steht, ist also auch goth drin. Gothseidank gibt es in der Szene genug Kellerkinder und Arroganz, die die Szene auch solche Attacken überstehen lassen.

Donnerstag, 18. August 2016

Mein Goth- und Vintage/Retro-Werdegang: 2009 bis heute

Hallo, meine lieben alternativen Menschen!

Heute gibt es den zweiten Teil meines Goth- und ab nun auch Retro/Vintage-Werdeganges. Viel Spaß mit meiner Zeitreise.

Also: ab 2008 kam das Interesse am Vintage- und Retro-Stil und Lebensstil hinzu. Daher fing ich auch an, mit meinem Styling herum zu experimentieren, hatte ich doch nun in den vergangenen 7 Jahren alles an Goth-Klischee-Style durch, was ging.

Nachdem ich (mal wieder) Betty Bangs ausprobiert hatte, wurde das Haar immer weniger gruftig (was bedeutet: laaaang und dunkelschwarz) und ich probierte immer mehr Stile in Richtung 50ies, Gothabilly/Rockabilly und Vintage aus. Im Übrigen hat nicht zuletzt die wunderbare Dita von Teese dazu beigetragen, dass ich mich immer mehr für diesen Look zu interessieren began.


2008

2008

Ein Grund für meine neue Richtung war auch, dass ich meinen Goth-Stil alltagstauglicher machen wollte um ihn so auch mehr in meinen Alltag integrieren zu können. Hört sich komisch an, ist aber so ;) . Mit Nietenhalsband und Netzoberteil wird es doch in dem ein oder anderen Job/Studiengang recht schwierig. Daher beschränkte sich diese Klamotte dann doch eher auf's Ausgeh-Outfit. Im Alltag war die Kleidung dann meist nur "schlicht-schwarz". Das wollte ich nicht mehr. Ich hatte keine Lust mehr darauf, meine Alltagskleidung von meiner Ausgehkleidung zu trennen. Auch wollte ich nicht mehr aussehen, wie ich als 16 jähriger rebellischer Teenager vorzog. Man wird halt erwachsen, nicht wahr? Auch wenn man sich das als eben dieser Teenager nicht vorstellen kann. Es wurde also Zeit für einen "grown-up"-Goth-Style. Dieser sollte aber eben nicht aus Jeans und Shirt bestehen, wie mein Alltagsoutfit zuvor häufig aussah, sondern anders und eben auch ausgeh-tauglich sein. Der wunderbar feminine Retro-Stil kam mir da gerade recht. Schon lange bewunderte ich Damen wie Dita von Teese, aber auch fiktive Charaktere wie Morticia Addams und deren "schwarze" Eleganz. Also: warum nicht einen femininen schwarzen Look in den Alltag integrieren.
2009 änderte sich dann erst einmal nicht mehr viel, Stil ändert sich ja auch nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich in einem stetigen Prozess und unterliegt ständiger Veränderung. Ich experimentierte hier und da etwas herum, vor allem mit Make-Up und Haar. Kleidungstechnisch kamen immer mehr Röcke und Kleider auch im Vintage- und Retro-Stil hinzu - alles schwarz, natürlich.


2009
2009









 

 

Diese beiden Bilder sind von 2009 - diesmal auch mal mit anderer Pony-Variante (ich bin ja durchaus experimentierfreudig, so ist es nicht).


2010

Dieses Bild entstand auf dem Amphi-Festival 2010. Wie man sieht, sind die Haare zwischendurch mal rot geworden und das Outfit bestand aus einem Pünktchen-Kleid. Mehr feminin, mehr retro und weniger Goth-Klischee.
Nun gibt es einen kleinen Sprung in der Timeline und es geht mit 2013 weiter. Aus der turbulenten und ereignisreichen Zeit dazwischen gibt es irgendwie kaum auch nur einigermaßen annehmbare Fotos von mir, die auch etwas aussagen würden. Viel ist in der Zeit passiert, viel hat sich verändert. Einiges war gut, Einiges weniger gut. Daher ist das nächste Foto erst wieder aus 2013, die Haare noch immer rot, der Stil noch immer mehr in Richtung retro, vielleicht auch ein bisschen Rockabilly/Gothabilly.

2013
Irgendwann wurden die Haare dann doch wieder dunkel, der Stil bliebt ähnlich: auch dieses Foto ist von 2013:

2013
 
Wie bereits erwähnt, ist Stil und Stilentwicklung für mich ein sich stetig wandelnder Prozess. Zwischendurch, ich würde sagen so 2013/2014 hatte ich dann auch mal ab und an, naja... Stil-Aussetzer, und Griff für den Alltag auch mal zu Hoodie, Skinny Jeans und Chucks (nein, es gibt kein Foto ;) ). Ich glaube, dass war Studium-bedingt. Man passt sich doch irgendwie seiner Umgebung an, auch wenn man dies in schwarz tut :D. Nicht, dass ich was dagegen hätte, wenn es mal schnell gehen muss, oder man irgendwo beim Umzug hilft oder was auch immer, kann so ein Outfit sehr praktisch sein. Und vor allem bei Umzügen besser geeignet als ein Kleidchen. Aber wohl fühlte ich mich darin einfach nie wirklich. Einfache Outfits bestehen für mich heute aus "einfachen" Röcken oder Kleidern. Sind auch viel bequemer.

Silvester 2013/2014

Dieses Bildchen vom Silvesterabend 2013/2014 wird von einer Freundin von mir auch gern als "Bewerbungsfoto" bezeichnet. Aber ich mag es irgendwie. Das Haar wieder einmal anders, die Kleidung natürlich schwarz und eher elegant.
Und noch zwei Bilder von 2014: das erste Bild entstand auf dem WGT beim Viktorianischen Picknick. Hier sollte das Outfit ein wenig Morticia-Addams-like werden. Natürlich ist es vor allem eins geworden: ziemlich gruftig :D . Das zweite Foto ein Spiegel-Selfie. Mein Liebster meint, dass ich dort ein wenig aussehe, wie Cercei Lannister (Game of Thrones, wem dies nichts sagen sollte - what?! Unbedingt anschauen! Popkulturelle Bildungslücke!), was vermutlich an der Frisur liegt:


WGT 2014

2014

So. Ich denke mal, dass waren schon einige Eindrücke meiner optischen, stilistischen Entwicklung zu dieser Zeit. Musikalisch hat sich natürlich auch das ein oder andere verändert, denn natürlich unterliegt auch der musikalische Geschmack, bzw. die Prioritäten einer Entwicklung. Hinzu kam vor allem auch Horrorpunk/Gothabilly, und akustisches "Gitarrengeschrabbel" (wie mein Liebster es gern nennt). Aber ich entdeckte auch immer mehr den Post Punk/Wave für mich. Heute würde ich sagen, dass meine musikalischen Favoriten nach wie vor im Goth Rock, Goth Metal und Doom liegen, aber auch die ein oder andere klassiche Band aus den Bereich Post Punk/Wave sind hinzu gekommen. Natürlich finden auch elektronische Klänge, wie Synthie Pop oder EBM und andere immernoch Platz, Klassiker sowieso. So reicht das Spektrum von den Sisters, Clan of Xymox, Pink Turns Blue oder London after Midnight, über Diary of Dreams, Zombie Ghost Train, Type O Negative, End of Green oder The Vision Bleak, bis hin zu Welle:Erdball, And One, Lakaien, Pitchfork... aber auch Sachen wie Rome, Johnny Cash oder Suicide Commando sind mal drin. Das ist nur eine kleine Auswahl. Natürlich könnte ich noch unzählige weitere Bands aufführen.


So, nun steht noch das Jahr 2015 aus. Einige Outfits aus dem Jahre 2015 habe ich euch ja schon in meiner Reihe der WGT-Outfit-Inspirationen präsentiert. Ich denke, dass das auch erstmal genug Einblicke sind.

2016 kennt ihr ja nun schon, zumindest, wenn ihr meinen Blog mehr oder weniger regelmäßig verfolgt. Wie bereits erwähnt, wollte ich meinen alltäglichen Look individueller, mehr "grown-up-gothy" gestalten und nicht mehr groß zwischen Ausgeh- und Alltags-Outfit unterscheiden. So trage ich heute viele Stücke, die ich im Alltag anziehe, auch, wenn ich auf Gothic-Veranstaltungen, wie Festivals, Konzerte oder in die Disko gehe. Meist kombiniere ich die Teile dann etwas anders und gestalte das Ganze mit einem ausgefallenerem Make Up oder Accessoires (Corsage!) more gothy, wie ihr es ja auch schon häufiger bei meinen verschiedenen OOTDs oder den WGT-Outfit-Inspirationen sehen konntet. 

Ich hoffe, euch hat meine kleine Zeitreise unterhalten? Ich finde es immer besonders interessant, wenn Menschen es mir erlauben, mir Bilder aus ihrer Vergangenheit anzusehen. Selbst, wenn ich diese Menschen zu der Zeit schon kannte, der Blickwinkel verändert sich definitiv.
Ich selbst fande dieses kleine Projekt äußerst spannend. Faszinierend, dass man selbst über Outfits, die man vor 2 Jahren noch super fand, heute evtl. ein wenig anders denkt. Aber vielleicht bin ja auch nur ich so. Oder geht es euch ähnlich? Befindet sich euer Stil auch im steten Wandel? Gern in die Kommentare.

Und wer den ersten Post zu meinem Goth-Werdegang verpasst hat: hier entlang!

In diesem Sinne: Cheerio and stay different!
Bis ganz bald.

Eure