Heute gibt es den ersten Eindruck, in welchen Stil Victor und ich unseren gemeinsamen großen Tag halten möchten. Uns beiden war sicherlich schon seit etlichen Jahren klar, dass das Leitmotiv einer Feier, wenn es denn eine geben sollte, zumindest für uns die Farbe Schwarz sein sollte. Vermutlich für die meisten unter euch keine große Überraschung.
Da wir uns sehr kurzfristig dafür entschlossen haben, noch in diesem Sommer zu heiraten, mussten die Einladungskarten schnell raus. Es blieb uns also keine Zeit, etwas selbst nach unseren genauen Vorstellungen zu gestalten, jedoch sind wir im WWW auf den gefühlt Millionen Online-Druckseiten fündig geworden.
Um ehrlich zu sein hat es mich selbst überrascht. Denn Hochzeit und Schwarz ist offenbar nicht wirklich vereinbar, sagen das WWW und der Mainstream. Prinzipiell finde ich dies aber auch gar nicht so schlecht. DIY ist schon immer ein großer Bestandteil der Subkultur, ich gestalte selbst sehr gern, und eine persönliche Note auf der eigenen Hochzeit ja auch etwas Schönes. Da wir allerdings, wie gesagt, wirklich in kürzester Zeit alles organisieren mussten (Standesamt, Location, was halt so auf eine Einladung muss) haben wir uns für diese schönen Online-Druck-Exemplare entschieden:
Die Kombination aus grau und schwarz ist ja schon ein Traum - also für mich. Wer in unserer Wohnung war, wird gewissen Parallelen erkennen können. Das Spitzenbändchen, welches die Karte einfasst, hat bei mir sofort Vintage-Assoziationen geweckt, mich aber auch gleich an den klassischen Romatic Goth Stil erinnert. Außerdem hat es schon etwas Edles, oder? Die Hochzeit soll weniger in die, ich nenne es jetzt mal Trash-Goth Richtung gehen, sondern mehr meinem Stil, dem Goth-Chic entsprechen. Absolut erfüllt.
Der "Spruch" auf der Karte sollte für euch nicht unbekannt sein. Ein Auszug aus dem Lovesong vom Szeneurgestein The Cure. Für mich war von Anfang an klar, dass soetwas mit hinein muss. Eine eindeutige Verbindung zur Szene, ein bisschen Schwarzromantik. Und mal ehrlich, was wäre prädestinierter für Goth-Wedding-Einladungskarten?
Falls sich jemand von euch dafür interessiert, wo wir die Karten her haben, hier geht es zum Shop. Ein bisschen Suchfilter "schwärzen" und es kann losgehen.
Das war mein erster Einblick für euch in meine Goth-Vintage-Wedding- Gestaltungsreihe.
Heute gibt es für euch mal wieder etwas von meinem Gastautor und Liebsten zu lesen: Victor von Void über die mögliche Szeneunterwanderung. Viel Lesevergnügen!
Wir waren vergangenen Freitag bei einem kleinen, feinen Konzert der Bands Qual und Smittness. Zu den Bands will ich hier nicht viel sagen, außer, dass erstere eine Mischung aus Oldschool-EBM, Industrial und einer Prise Aggrotech spielten, letztere hingegen eine Art Cold-Wave-Pop, wie eine etwas verträumtere Version von Hante. oder Keluar.
Gegenstand dieses Posts sollen jedoch weniger die Bands (oder das Konzert als solches), sondern vielmehr das Publikum (schätzungsweise etwa dreißig bis fünfzig Leute) sein: es bestand mindestens zur Hälfte aus dem, was ich vom Aussehen her als Hipster beschreiben würde, ein Teil von ihnen war wohl in seiner Funktion als Freunde der Musikerin von Smittness dort.
Mir drängte sich ein Gedanke auf, der dann sowohl von Mina als auch von anderen Besuchern im Gespräch mir gegenüber geäußert wurde:
"Die Schwarze Szene wird von Hipstern unterwandert!"
Innerlich sprang dabei natürlich sofort der alte Abwehrreflex an, der Fremden das Eindringen in die eigene Gruppe verwehren will, und der gerade in der Schwarzen Szene verbreitet ist und sich gegen alles und jeden richtet, der als Bedrohung der eigenen Gruftigkeit und Trueness wahrgenommen wird. Seien wir ehrlich: die meisten von uns halten Hipster für das Böse unter der Sonne, eine Perversion von allem, was uns heilig ist, Trendhuren, ein Krebsgeschwür, dass sich einfach an den Codes unserer Szene (die Farbe Schwarz, bestimmte Frisuren, Tattoos etc.), unserer Musik und unserem Individualismus bedient, ohne uns dabei den nötigen Respekt zu zollen. Kurz gesagt: Hipster sind der Feind.
Nachdem mein innerer Bluthund aufgehört hatte, wild geifernd um sich zu beißen, stellte ich mir dann doch noch die Frage, woher dieser Eindruck kommt und ob er überhaupt stimmt:
Werden wir wirklich unterwandert?
Definieren wir doch erst einmal den Begriff der Unterwanderung als das Eindringen in eine Gruppe oder Szene mit dem Ziel der Veränderung oder Zersetzung derselben.
Den oder die Hipster (bzw die Hipster-Szene) will ich hier nicht umfassend definieren (das wurde bereits anderswo getan und ist auch mangels sozialwissenschaftlicher Kompetenz meinerseits nicht ohne weiteres wirklich umfassend und korrekt möglich), sondern nur die Beobachtungen schildern, die mich dazu brachten, die Besucher als solche einzustufen: mehrheitlich weiblich, Birkenstocks oder weiße Sneaker (oder zumindest Sneaker mit weißen Sohlen), Frisuren bei denen Pony und Mini-Dutt eine entscheidende Rolle spielen (alternativ: irgendwie bunt gefärbter Undercut), Leggings oder Karottenjeans, Pullover und Cardigans, die möglichst weit sind und mit geometrischen Mustern und/oder Farben aus dem Spektrum der Signalfarben spielen, kurz: Klamotten, die man so aus den frühen 90ern kennt. Wobei auffiel, dass die Trägerinnen vermutlich nicht alt genug waren, die frühen 90er selbst bewußt miterlebt zu haben, denn wer die frühen 90er selbst erlebt hat, würde sich wohl eher selbst einen Fuß abkauen, als die 90er noch einmal als modisches Vorbild zu verwerten. Die Musikerin von Smittness passte übrigens optisch auch dazu.
Wie kommen nun also all die Hipster auf ein Konzert, das sonst vermutlich eher die Schwarze Szene anspricht? Hier dürfte die oben angesprochene Cold-Wave-Pop-Musik von Smittness eine Rolle spielen, sowie der Fakt, dass Qual ein Nebenprojekt von William Maybelline ist, der sonst bei Lebanon Hanover für die Musik zuständig ist, welche ebenfalls Post Punk und Cold Wave als Hauptbetätigungsfeld haben.
Post Punk und Cold Wave standen historisch gesehen am Anfang der Schwarzen Szene und waren einer der Haupteinflüsse bei deren Entstehung, verschwanden aber im Lauf der späten 80er und dann der 90er Jahre größtenteils in der Versenkung. Das Revival dieser Genres in den letzten Jahren wurde meiner Meinung nach aber unter Anderem auch von der Hipster-Szene ausgelöst, die bei ihrer Suche nach Dingen, die man "ironisch" feiern konnte, neben Schreibmaschinen, Bärten und Holzfällerhemden (ein Relikt der Grunge-Szene der frühen 90er) auch Bands wie Joy Division (wohl wegen ihrer ikonischen Plattencover, die auch auf T-Shirts und Jutebeuteln gut aussehen) aus der (Szene-)Versenkung zurück in den Mainstream hob, und in der Folge damit auch wieder verstärktes Interesse in der Schwarzen Szene selbst hervorrief, so dass eine Menge junger, neuer Bands diese alten Einflüsse aufgriffen und neu verarbeiteten. Und das mit beachtlichem Erfolg.
Wir verdanken also im Grunde auch den Hipstern aktuelle Lieblinge der Schwarzen Szene wie Lebanon Hanover, Selofan, Soft Kill, Ash Code oder Keluar.
Ist das also nun eine "Unterwanderung"? Im Sinne der oben genannten Definition wohl eher nicht, denn in der Vergangenheit wurden schon andere Einflüsse (z.B. Mittelalter, Steampunk, Metal) in die Szene assimiliert, ohne diese nennenswert zu (zer-)stören.
Ein Merkmal (nicht nur) der Hipster-Szene ist starke Abhängigkeit von Trends, die meiner Meinung nach stärker als in der Schwarzen Szene ausgeprägt ist. Zudem sind die vielen Auswüchse der Hipster-Szene schon längst wieder vom Mainstream assimiliert worden, anders als die meisten Merkmale der Schwarzen Szene. Aus meiner Sicht haben wir daher derzeit zwar eine musikalische Überschneidung, die sich aber langfristig wieder auflösen wird, sobald die Hipster-Szene sich anderen, neuen Trends zuwendet.
Ob das abgesehen von einer etwas breiteren Musikauswahl Spuren in der Schwarzen Szene hinterlassen wird, bezweifle ich aber: Ich kann mir einfach keine Grufties in weißen Sneakern und Holzfällerhemd vorstellen.
Heute Abend ist es mal wieder soweit: Die Oetinger Villa in Darmstadt erfreut uns mit einer Perle der schwarzen Musik: William Maybelline, neben Larissa Iceglass die anderen 50% von Lebanon Hanover, gibt sich mit seinem Zweitprojekt Qual die Ehre.
Noch nichts von Qual gehört? Dann wird es zumindest für all diejenigen unter euch, die die düsteren schwarzen wavigeren Töne favorisieren schnellsten Zeit! Und selbstverständlich auch für alle, die dem Sound von Lebanon Hanover verfallen sind.
Qual - Desolate Discotheque:
Vielleicht sehen wir uns ja heute Abend? Falls ja - einfach ansprechen ;)
Bis dahin - cheerio and stay different!
Der Eine oder Andere unter euch hat sich sicherlich schon gefragt, was denn hier so los ist und warum ihr so wenig von mir hört: Das WGT kam und ging, kein Lebenszeichen. Der World Goth Day vor ein paar Tagen? Ebenfalls nichts.
Das ist tatsächlich relativ einfach zu erklären: Victor und mir steht der Kopf momentan ganz woanders: Vor ein paar Monaten haben wir uns dazu entschlossen, dass es mal an der Zeit wäre, zu heiraten. Ungefähr genau mit diesem Wortlaut. Ich weiß nicht, ob allen von meinen Lesern bisher bewusst war, dass wir ein Paar sind (ich glaube tatsächlich nicht), spätestens jetzt ist es offiziell.
Und wie ihr euch bestimmt schon vorstellen könnt, sind wir ein bisschen im Planungsstress, weil alles sehr schnell gehen muss. Die Hochzeit soll nämlich noch in diesem Sommer stattfinden. Nun heißt es: Den üblichen Organisationskram klären! Diejenigen unter euch, die das selbst schon hinter sich haben, wissen, wovon ich rede. Aber natürlich nicht nur das: Es muss auch eine Hochzeit organisiert werden, die zu uns passt, was heißt: Es wird halt nicht 08/15. Eine schwarze Hochzeit mit ein bisschen Vintage-Flair, so soll das Ganze aussehen...
Ich, als bekennende Perfektionistin bin daher schon fleißig am Planen, Basteln und Aussuchen, was ich zum Teil gern mit euch teilen möchte. Ja, ich trete Hochzeitskram im Internet breit. Weil es hier eben auch um Szenedinge, wie Gestaltung oder auch Playlist der Feier gehen wird. Wen es stört: Klick weg. Alle anderen: Ich werde euch also in den nächsten Wochen auf dem Laufenden halten!
Und wie sollte es anders sein, auch kleine Blogger wie mich, die weder finanziellen Nutzen aus ihrem Blog ziehen, noch persönlich Nutzerdaten für sonstwas systematisch erfassen, trifft sie nun: die neue Datenschutzverordnung, welche ab heute rechtens ist.
Victor und ich haben unser Bestes gegeben, um euch umfangreich über dies aufzuklären: Unter dem neuen Reiter "Datenschutzerklärung" findet ihr alle weiteren Informationen. Da Blogger ein von Google betriebener Service ist gilt - kurz gesagt - alles, was Google euch auch schon gesagt und in seiner eigenen Datenschutzerklärung geschrieben hat. Trotzdem möchte ich euch nochmal darauf aufmerksam machen.
In letzter Zeit ist es hier realtiv ruhig geworden, was natürlich Gründe hat. Bald werde ich euch davon in Kenntnis setzen, mein Inner Circle weiß sicherlich schon, wovon ich rede ;)
Es war mal wieder soweit: ein Konzert im Bett stand in meinem Kalender. Eines, auf das ich mich schon seit langer Zeit sehr gefreut habe:
Im Franfurter "Das Bett", eine Location, die ich wirklich gern besuche (kleiner Tipp am Rande), gaben sich Lebanon Hanover die Ehre. Dem einen oder anderen aufmerksamen Leser meines Blogs wird nicht neu sein, dass ich diese Formation ganz besonders schätze. Und es war schon viel zu lange her, dass ich sie Live erlebt habe, genau genommen war das im Februar 2017 (zur Konzertreview hier entlang).
Diesmal gab es gleich zwei Vorbands: Die Label-Kollegen Selofan und die Frankfurter Formation Suir begleiteten diesen Abend ebenfalls. Beide hatte ich zugegebenermaßen vorher nur so halb auf dem Schirm. Einfach mangels Zeit. Ihr kennt das: unsere digitale Welt ist so voll an Überangebot... sensible Menschen, wie ich es nun einmal bin, sind da schnell überfordert und greifen auf Altbewährtes zurück. Daher bin ich immer froh, wenn ich auf Konzerten Musik entdecke, wie diese. Beide Vorbands waren absolut nach meinem Geschmack, von beiden musste gleich mal eine CD her.
Weiter ging es dann mit der griechischen Formation Selofan. Ich denke, einigen von euch werden sie schon bekannt sein, haben sie ihr erstes Album doch bereits 2013 veröffentlicht. Auch bei ihnen handelt es sich um eine Male-Female-Kombo, bestehend aus Dimitris Pavlidis und der wunderbar extravaganten Joanna. Mit ihren sowohl auf Griechisch als auch auf Englisch und Deutsch verfassten Songtexten und den düsteren wave und minimal Sounds rissen sie das Bett-Publikum absolut mit. Und was soll ich sagen: Mich natürlich auch. Jeden Tag läuft seither ihr neuester Tonträger Vitrioli bei mir rauf und runter. True love meinerseits und eine absolute Empfehlung an euch, vor allem, wenn ihr den Sound von Lebanon Hanover mögt.
Und nun zum Headliner des Abends: Lebanon Hanover. Ich kann euch gar nicht so viel dazu schreiben: Ich liebe diese Formation, ich liebe es, Larissa und William zu zu schauen, ich liebe ihren Sound, ich liebe ihre Texte. Absolute Identifikation. Sixteen-Years-Old-Fangirl-Mina. Eine Bewertung der Leistung erfolgt hier also offenbar absolut objektiv ;) Es war toll. Wie immer. Die neuen Songs auf der Bühne präsentiert zu erleben, das Publikum absolut - ja für Goth-Verhältnisse schon fast ausflippen zu sehen. Einfach ein wunderbares Erlebnis. Besonderes Schmankerl war während der Show wohl auch die Saxophon- Einlage von Dimitris Pavlidis (Selofan). Muss ich erwähnen, dass das neue Album sofort in meiner "Einkaufstasche" landete? Neben Pins, Buttons, Shirts ... reden wir nicht weiter drüber.
Ich muss ja gestehen, dass ich mich bei Lebanon Hanover und dazu noch als studierte Medienwissenschaftlerin immer ein bisschen schäme, mitzufilmen oder Bilder zu machen. Wer die Songs von Lebanon Hanover kennt, weiß vermutlich auch, wieso. Und wer ein paar medienwissenschaftliche Theorien kennt oder einfach in der Lage ist, seinen Menschenverstand zu benutzen, weiß vermutlich auch warum. Und wenn ich mich auf Konzerten so umschaue, ist es schon extrem, in wie viele Bildschirme geschaut wird, statt sie unabgelenkt live mit zu erleben. Aber was sollen ich sagen? Irgendwie möchte ich ja doch ein bisschen was festhalten. Für mich. Und für euch.
Das war meine kleine persönliche Kozertreview für euch. Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig unterhalten oder einen heißen neuen Tipp geben?
Heute habe ich seit langer Zeit mal wieder einen besonderen Fund für euch: Diesen Memento-Mori-Rosenkranz aus Holz. Gefunden habe ich ihn bei einem Streifzug durch die Frankfurter Hinterhof- Antik- und Flohmarktläden.
Was an diesem Fund besonders ist, fällt sofort auf: es handelt sich nicht um einen gewöhnlichen Rosenkranz: Schaut euch diese detailierte Schnitzerei des Totenschädels an. Eine wunderschöne feine Arbeit. Leider kann ich euch nicht sagen, aus welchem Jahrzehnt das Teil stammt, aber offensichtlich ist es schon etliche Jahre alt. Schätzen würde ich den Rosenkranz auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein Würmchen hat sich an ihm wohl auch schon einmal gütig getan, was alles nur charmanter macht.
Einer Legende nach soll der Rosenkranz in seiner heutigen Form Anfang des 13. Jahrhunderts entstanden sein und geht auf den Heiligen Dominikus zurück, welcher ihn als Gründer des Dominikanerordens dort als Gebetskette eingeführt hat. Tatsächlich geht man jedoch davon aus, dass ähnliche Gebetsketten schon im frühen Mittelalter gebetet wurden und sich nach und nach zum heutigen Rosenkranz mit seinen 59 Perlen entwickelten. Rosengewächse stehen in der Katholischen Kirche für die Mutter Jesu, daher der Begriff Rosenkranz, der im 15. Jahrhundert erstmals für die Gebetskette verwendet wurde (vom lateinischenWort Rosarium, also Rosengarten).
Häufiger findet man einen Totenkopf als eine der Perlen des Rosenkranzes, die dem Betenden eine Orientierung bieten sollen. Selbstverständlich stehen sie jedoch auch als Memento Mori, "Bedenke deine Sterblichkeit". In der Katholische Kirche bezieht sich diese "Warnung" selbstverständlich auf das Leben, welches du nach deinem Tod führen wirst: bedenke, dass nach deinem Tod die Taten deines irdischen Lebens bewertet werden und über dich gerichtet wird. Wundert es jemanden, dass die Goth-Szene sich diese Symbolik angeeignet hat?
Der Rosenkranz, häufig mit einem Kruzifix am Ende baumelnd, findet sich nicht selten um den Hals des ein oder anderen Gruftis wieder. Häufig war dies meinem Empfinden nach in den 90er Jahren zu beobachten. Und ja, auch ich habe selbstverständlich einen gehabt, den ich gerade in meiner Baby-Bat-Zeit und in den frühen 20ern häufig ausgeführt habe. Neben weiteren Symboliken, wie dem Ankh oder auch dem Pentagramm, ist der Rosenkranz aus der Szene kaum wegzudenken. Deswegen aber natürlich nicht jedergoths Geschmack.
Meine Lieben, das war es nun für mich heute. Ich hoffe, ich konnte euch
ein wenig inspirieren und unterhalten. Und das Internet nach langer Zeit
mal wieder ein wenig mit Content füllen.
Heute haben wir ein wenig Vinylporn für euch. Einfach, weil wir euch diese Neuerwerbung für unser Schallplattenregal nicht vorenthalten möchten. Warum wir? Weil es sich hier sozusagen um einen kleinen Gemeinschaftseintrag von Victor und mir handelt.
Peaceville Records, ein Label, das vornehmlich mit Doom Metal Bands wie Candlemass, Paradise Lost, My Dying Bride, Katatonia und Anathema große Erfolge feierte, aber auch beispielsweise Darkthrone, Cradle of Filth, Behemoth oder At the Gates unter Vertrag hatte, feiert gerade sein 30jähriges Bestehen. Dafür werden einige Veröffentlichungen neu in einer speziellen Vinyledition herausgebracht.
Im Zuge dessen wurde am 15. Dezember des vergangenen Jahres auch Anathemas zuerst 1995 erschienenes zweites Studioalbum The Silent Enigma als Vinyl neu veröffentlicht, das (sicher nicht ganz zufällig) eines von Victors absoluten Lieblingsalben ist. Und das vegangene Weihnachten bot natürlich eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich dieses ästhetische (und selbstverständlich auch musikalische) Meisterwerk zu zu legen. Seht es euch an!
Die Vorderseite ziert das Gemälde "The Lady in Milton's Comus" von Joseph Wright, der es 1785 im Stil der Romantik malte. In diese Phase fällt übrigens auch die Veröffentlichung der ersten Gothic Novel, "Das Schloss von Otranto" (1764) von Horace Walpole. Die Wahl fiel sicher nicht zufällig auf dieses Bild, denn auch Musik und Texte auf dem Album spielen mit Themen und Versatzstücken, die in der Romatik populär waren. Anathema gelten nebenbei bemerkt zusammen mit ihren Labelkollegen My Dying Bride und Paradise Lost (die "Peaceville Three" oder "Big Three") auch als wesentliche Mitbegründer des Gothic Metal-Genres, indem sie Einflüsse aus Gothic und Darkwave in den Metal integrierten.
Die Rückseite der Platte ziert eine Aufnahme des als Barnard 33 katalogisierten Pferdekopfnebels im Sternbild Orion. Das rote Leuchten stammt vom Wasserstoff hinter dem Nebel, der vom Stern Sigma Orionis angeregt wird. Ein atemberaubendes Bild, ganz im Einklang mit dem Bombast, den die Platte auch musikalisch verströmt.
Das soll es für heute gewesen sein. Und übrigens: Frohes Neues und so. Auf ein weiteres gemeinsames nettes Jahr.
Cheerio and stay different!
Bis dahin, meine Lieben!
Und schon wieder ist ein Jahr rum. Und schon wieder ging es verdammt schnell. Zum Jahresende ist es wohl mal Zeit für einen kleinen Rückblick. Und zwar einen musikalischen: ich möchte euch meine Top 3 Musikalben des Jahres vorstellen:
Clan of Xymox - Days of Black
Die niederländischen Dark Waver von Clan of Xymox beglückten ihre Anhänger (also mich) am 31. März diesen Jahres nach dreijähriger Wartezeit wieder mit einem neuen Werk: Days of Black (Trisol/Soulfood).
33 Jahre Bandgeschichte stecken hinter dieser Formation; 33 Jahre haben sie die Szene musikalisch geprägt. Kopf und Wahl-Leipziger Ronny Moorings kann wohl zweifelsohne als Szene-Urgestein betrachtet werden. Und so ist auch das neue Album erneut ein absolutes Meisterwerk, welches die Atmosphäre einer schwarzen Subkultur perfekt einfängt und wiederspiegelt: düstere Post-Punk-Riffs, treibender Synth Sound und nachdenklich stimmende Lyrics, unverkennbar und einprägsam. Besonders häufig auf Repeat bei mir übrigens Track 11: "Your Kiss".
Und auch eine weitere Formation, deren Klänge ich seit etlichen Jahren lausche und mit deren Lyrics ich mich immer stark identifizieren kann, erfreute mein Fanherz in diesem Jahr mit einer neuen Veröffentlichung: am 06.10.2017 erschien das neue Studioalbum von Diary of Dreams: hell in Eden (Accession/Indigo).
Eine Reduktion des Albums auf die im ersten Moment sehr offensichtlich erscheinende Anlehnung an religiös motivierte Thematiken durch die Titelwahl ist unmöglich. Man beachte den orthografischen Hinweis, der sich in "hell" versteckt. Aber ich möchte nicht zuviel verraten. Hören und verzaubern lassen. Düstere, bedrückende und nachdenklich stimmende Elektronik ganz im Stil der Band um Adrian Hates. Auf jeden Fall ein Muss für alle bereits Angefixten da draußen und ein guter Einstieg und musikalischer Querschnitt der Formation für Erstlinge.
Hier ein kleiner auditiovisueller Einblick in das Album: "Hiding Rivers", veröffentlicht auf dem offiziellen YT-Kanal der Formation. Auch optisch ein Hingucker: eine professionelle Videogestaltung ist offensichtlich. Im übrigen ist dieser Song auch einer meiner absoluten Favoriten des Albums.
Da ich momentan kaum zu Bandvorstellungen oder Konzertreviews komme, an dieser Stelle: vor gar nicht allzu langer Zeit habe ich Diary of Dreams auch mal wieder live bewundern können; diesmal im Mannheimer MS Connexion Complex. Eine ganz große Empfehlung von mir an euch: schaut sie euch an, wenn sie in eurer Gegend sind. Live ein absolutes Erlebnis. In meinem Bekanntenkreis tummeln sich auch einige Mitmenschen, die mit elektronischen Klängen nicht ganz soviel anfangen können und denen meist ein paar "ordentliche Gitarrenriffs" fehlen. Nehmt sie mit. Sie werden überrascht sein ;)
Lebanon Hanover - Tomb for Two
Die meisten von euch werden sich jetzt sicherlich denken, was dieses Album hier soll, schließlich veröffentlichten Lebanon Hanover das Tomb for Two Album bereits 2013! Richtig. Aber nicht für Mina. ICH habe dieses Meisterwerk erst in diesem Jahr für mich entdeckt. Und zwar, als ich im Februar ein Konzert des Duos besuchte und das Album direkt danach erst in meiner Tasche und dann, auf dem Heimweg, in meinem Autoradio landete.
Zuallererst: was für ein wunderschönes Cover. Jedesmal wieder denke ich mir: wow! In unserem CD-Regal springt es sofort ins Auge: die doch vergleichsweise farbenreiche Covergestaltung fällt auf. Und doch so wunderbar melancholisch. Ich liebe es.
Und musikalisch? Was soll ich sagen: ausnahmslos jeder Song dieses Albums lässt mein Herz höher schlagen: der zugegebener Maßen in Clubs bereits totgespielte "Gallowdance", "Sadness ist Rebellion", und auch besonders "I Believe you can Survive"... Dieser Song spricht mir so aus der Seele, daher dieser auch an dieser Stelle als Einblick für euch:
Darklings, das soll es nun von meiner Seite für dieses Jahr gewesen sein! Welche musikalischen Highlights hielt denn 2017 für euch bereit? Ich bin sehr gespannt und immer für Tipps zu haben: gern in die Kommentare.
Und auch im neuen Jahr: cheerio and stay different!
Ich weiß, ich weiß... manchmal bin ich ein kleiner schwarzer Negativ-Schlumpf. Und ich warne euch vor, dieser Post wird kein Lobgesang auf die Schwarze Subkultur, wohl eher ein Klagelied. Aber was raus muss, muss nunmal raus. Und Goth sei Dank leben wir im Blogzeitalter. Also: auf geht's.
Vor gar nicht allzu langer Zeit bin ich aus meiner Heimat im Norden NRWs ins Rhein-Main-Gebiet, genauer gesagt nach Südhessen, gezogen. Was das bedeutet? Allerlei Veränderungen selbstverständlich. Bezogen auf das subkulturelle Leben bedeutet es beispielsweise, dass man sich neue Veranstaltungen und Möglichkeiten suchen muss, um seine - ich nenne es jetzt mal "Szenezugehörigkeit" - zu zelebrieren. Sprich: ich musste mich mal über das subkulturelle Angebot der Umgebung schlau machen.
Am allerbesten geht dies natürlich mit Hilfe von lieben Mitmenschen, die die eigenen Vorlieben kennen, bestenfalls teilen und Veranstaltungen empfehlen können. Aber ist man wie ich ein eher introvertierter Mensch, gestaltet sich dies häufig nicht so einfach mit den lieben Mitmenschen aus der Umgebung, die man ja auch erstmal kennen lernen muss. Also checkte ich ausgiebig das WWW. Und ja, leider bietet Facebook, als mein Soziales-Hass-Liebe-Netzwerk, hier die einfachsten Möglichkeiten: schnell mal nach "Schwarzen Gruppen" in der neue Heimat gesucht, findet man hier auch ganz schnell Ausgeh- und Veranstaltungstipps, die man der Reihe nach mal abchecken sollte. Mein Fazit: was man da teilweise sehen muss, grenzt an Körperverletzung. Aber mal auf Anfang.
Natürlich geben häufig Flyer und Internetseiten der jeweiligen Veranstaltungen schon einmal einen ersten Eindruck, was den freudigen Besucher dort erwarten wird. Sehe ich leicht bekleidete Mädels, die in ihren neonfarbenen Cypergoth-Outfits ihre Plastik-Spielzeugpistolen in das Objektiv halten, weiß ich beispielsweise: nicht meine Veranstaltung. Ähnliches gilt übrigens auch für Ladies in Lackcatsuits, die statt der Plastik-Spielzeugpistole lieber Plastik-Körperteile gen Linse drücken. Abgesehen vom offensichtlichen visuellen Anreiz steht aber auch oft schon dabei, was musikalisch zu erwarten ist.
Versteht mich nicht falsch - alles hat irgendwo seine Berechtigung - aber vielleicht nicht alles unter dem Deckmantel der Goth-Subkultur. Wo hört sie auf, was gehört dazu, was nicht? Eine andere Diskussion, bei der vermutlich jeder eine andere Position einnimmt. Allein schon die unsagbar vielen musikalischen Mischformen machen es sicherlich schwierig, hier irgendetwas zu "entscheiden", und prinzipiell bin ich ja auch eher gegen eine "Du kommst hier nicht rein"-Mentalität, aber manche Sachen... wie gesagt, eine andere Diskussion. Dieses Faß möchte ich jetzt auch nicht auf machen, da ein Blog unter anderem über eine Kombination aus Goth- und Vintagestyle sicherlich auch dem ein oder anderen aufstößt. Aber gut. Hier geht es um meine Meinung zu dem Ganzen und ich weiß, dass ich mich auf einer Veranstaltung, auf welcher größtenteils Aggrotech oder Cyberkram gespielt wird, als Schwarzmenschin, die doch größtenteils gitarrenlastigere akustische Bespaßung oder waveigere Klänge vorzieht, nicht wohlfühlen werde.
Nun gibt es aber auch sog. "gemischte Veranstaltungen". Da geht man dann doch mal hin, man muss sich ja selbst mal ein Bild machen. Aber ganz ehrlich - und jetzt kommen wir zu dem, was mich zu diesem Post inspiriert hat - wenn ich manch einen Trailer von Veranstaltungen so sehe, möchte ich nicht einmal das:
Das ist der Trailer/Review-Film einer der größten schwarzen Veranstaltungen im Rhein-Neckar-Gebiet. Alles weitere könnt ihr dem Video oder Google entnehmen. Als Kleinstadt-Teen-Bat habe ich mir, als man noch nicht zu allem einfach ein YouTube-Video geschaut hat, in entsprechenden Zeitschriften den eine ganze Seite umfassenden Werbebanner dieser Veranstaltung angesehen und gedacht: man, da wäre ich gern mal. Da hatte ich noch keine Ahnung... :D Ich möchte jetzt auch gar nicht auf dem Club herumhacken (naja, vielleicht doch ein wenig), aber geht es nur mir so, oder fragt ihr euch auch, was das sein soll? Soll das die Goth-Subkultur sein? "Kleine geile Nonne - Warum bist du nackt?" (wie ich jetzt gelernt habe, ein Song der Formation Unzucht)? Dazu Menschen die abgehen, als seien sie auf Speed irgendwo in einem Technoschuppen? Und damit wird für eine schwarze Veranstaltung geworben? Sorry, aber ich finde es kaum zu entschuldigen (es sein denn, man ist 16 Jahre alt und eine BabyBat, die keine Ahnung von der tatsächlichen Subkultur hat, oder alternativ: man hat den IQ eines Wurstbrotes). Hier frage ich mich allerdings eher, welch (geistiges) Niveau diese Veranstaltung noch hat. Mir kommt es absolut albern vor (ist ja auch nicht so, dass Bands wie Agonoize dieses "Ich schockiere jetzt, indem ich mit vulgären Ausdrücken um mich werfe" vor 15 Jahren schon durch hatten - na gut, die machen's auch noch heute).
Vor ein paar Jahren war ich tatsächlich mal dort und habe es gar nicht als so dramatisch empfunden. OK, die Mainhall habe ich gemieden, weil zu erwarten war, dass dort doch eher der "Schwarze Mainstream" bedient wird. In der ein oder anderen kleinen schwarzen Ecke war die Musik auch dann gar nicht so verkehrt und die Leute ganz sympathisch. Vor ein paar Monaten habe ich dann die Lokation noch einmal aufgesucht, und war ziemlich entsetzt. Ein Minifloor (wirklich MINI - gefühlt 5 Quadratmeter groß), auf dem noch ein paar Schätze zu finden waren, der Rest war Party-Schwarze "Schlagermusik", wie im obigen Video zu sehen. Ballermann lässt Grüßen.
Natürlich hat die Gothic Subkultur auch seit jeher mit dem Brechen von Konventionen gespielt, um Abgrenzung zu erreichen. Sowohl Sexualität als auch Tod, Kritik an der Gesellschaft und religiösen Institutionen waren schon immer Thema. Klar - aber plumper geht es bald nicht. Wo ist die Feinsinnigkeit hin? Die - ja ich möchte schon sagen "schwarze Aristokratie"? Wo ist die anspruchsvolle Lyrik? Die düsteren berührenden Zeilen der Gesellschaftskritik, die mich einst so an dieser Szene fasziniert haben, dass ich irgendwann in ihren Bann gezogen wurde? Ich weiß, es gibt sie noch, vereinzelte Kleinode. Nur leider kaum noch bei "Szene"-Veranstaltungen zu bewundern. Ich weiß auch, dass es diese "plumpe" Form der "Schwarzen Unterhaltung" auch schon ewig gibt. Mir scheint es allerdings immer extremer, als ob die Schwarze Szene sich im Ausverkauf befindet: "Seht her! Hier ist sie, die Gothic-Subkultur! Offen für jedermann, der mal ein bisschen aus seinem Alltag ausbrechen möchte - hallo, Karneval, Schützenfest und Co! Kleine geile Nonne - zeig doch mal die Möpse" - No difference. Logische Konsequenz unserer kapitalistischen Gesellschaft? Vermutlich. In Zeiten des Clubsterbens zählt wohl vielen Veranstaltern nur noch die Einnahme. Und mit "Kleine geile Nonne" spricht man offensichtlich erschreckenderweise ein ziemlich breites "schwarzes" Publikum an.
Abschließend sei noch gesagt, dass es glücklicherweise die kleinen besonderen Veranstaltungen jenseits der dem Kapitalismus huldigenden schwarzen Mainstream-Großveranstaltungen noch gibt. Man muss sie nur finden. So war ich beispielsweise seeeeehr froh, die Mainzer Horror Highschool besucht und somit für mich entdeckt zu haben. Auch die noch ganz frische "Corona Negra" Veranstaltung in Darmstadt hat mir musikalisch sehr gut gefallen, allerdings wurden die ganzen arg betrunkenen bunten Stino-Studenten irgendwann doch sehr lästig. Als hätten sie noch nie eine Frau in Korsage aus der Nähe gesehen (was sie vermutlich auch nicht haben) - aber das ist eine andere Geschichte.
Und wer meinem Gedankensermon bis hierher gefolgt ist,
möge mir doch bitte noch ein paar nette undergroundige
Veranstaltungstipps in der Umgebung dalassen - ich denke aus meinem Post ist ersichtlich geworden, in welche Richtung es gehen sollte.
Me - Toilet Cam - @Horror Highschool
Meine lieben Mitschwarzmenschen, das soll es nun für heute gewesen sein.
Cheerio and stay different! Bis Bald!